STYLE Club & Nightlife

Soulwax + 2 Many DJs
“P.O.R.C.K.”

02. September 2008 | 12:13
Die Brüder Dewaele sind für einige meiner besten Nächte verantwortlich. Zurzeit als Belgien wegen des kleinen Manneken Pis und seiner großen Bierauswahl bekannt war, hatten einige in Spanien das Verlangen, die elektronische Musik der neunziger Jahre einfach beiseite zu schieben und den Pop auf die Tanzfläche zu lassen. Wir waren gerade im neuen Jahrtausend angelangt und merkten, dass sich in Zukunft etwas ändern musste.
Im Maravillas-Club des Madrider Stadtviertels Malasaña löste man das Britpop-Thema, indem nächtelang getanzt wurde und alles bis hin zum Nasti, der seinerseits ein kleiner netter Club mit gutem Angebot war, einen neuen Kick bekam.
Dieser Wandel war den beiden belgischen 2 Many DJs zu verdanken. Steven und David Dewaele wollten keine traditionellen DJs sein und unternahmen einiges, um ihr Ziel zu erreichen. Die angesagteste elektronische Musik von Jürgen Paape, Jeans Team, Zita Swoon oder Queen of Japan mixten sie mit Klassikern von David Bowie, Nirvana, The Cramps, 10CC, Sly & the Family Stone, Gorgio Moroder, Herbie Hancock, Vanilla Ice… Dazu konnte man tanzen und allein das zählte.
Auch im Nasti machten sie so weiter und gaben in einem Interview an, dass dieser Club in der Calle Vicente Ferrer lange Zeit ihr Favorit war.
Doch sie verließen diese Formation vorübergehend, um Soulwax zu gründen. Das Projekt glich einer Band mit traditionellen Instrumenten und war im Bereich Pop-Rock angesiedelt, vielleicht weil diese geniale Projektidee mehr Geld versprach. Aber da man nicht immer nur von tollen Ideen leben kann, veröffentlichten sie unter gleichem Namen alsbald Remixe. Jetzt remixen sie ihre Remixe, doch das stört niemand, da sie mit ihrem Konzept gut und andersartig sind. Sie beherrschen ihr Handwerk einfach bestens.
Soulwax @ Ibiza Rocks
Soulwax @ Ibiza Rocks
Verlässlich, was ihre Auftritte betrifft, kommen sie dieses Jahr schon zum zweiten Jahr in Folge auf die Insel, um auf dem Ibiza Rocks Festival aufzutreten. Mit etwas Hartnäckigkeit waren wir die einzigen, die sich David Dewaele schnappen konnten, um ihm einige Fragen zu stellen:


F: „Im vergangenen Jahr hab Ihr gesagt, dass Euch Ibiza nicht allzu gut gefallen hat. Doch jetzt seid Ihr wieder hier.“
A: „Du hast Recht, wir hatten eine gewisse Abneigung gegen die Insel, vielleicht aufgrund des Eindrucks, den wir vorab von ihr hatten. Doch wir haben unsere Meinung nach dem letzten Sommer radikal geändert. Nach dem Auftritt auf dem Ibiza Rocks Festival haben wir noch eine Woche hier verbracht und konnten feststellen, wie schön diese Insel wirklich ist. Es ist wirklich ein besonderer Ort. Ich will nicht wie ein Snob erscheinen, aber es ist wirklich nicht einfach, Gefallen an Ibiza zu finden, wenn man ankommt, eine Nacht in einem Club auflegt und dann wieder los muss. Auf diese Weise nimmt man keinen Unterschied im Vergleich zu anderen Städten wahr. Das einzige, was man bei der Arbeit sieht, sind die Leute beim Tanzen oder Herumsitzen (lacht).“
2 many DJs
2 many DJs
F: „Spanien war seinem Werbeslogan ‘Spain is different‘ nach schon immer anders, obwohl der Ruhm, den das Land in Bezug auf sein Nachtleben hatte, auszuklingen scheint. Betrifft Euch das in irgendeiner Hinsicht auch?“
A: „Es stimmt, dass sich etwas in Ibiza zu ändern scheint. Jedes Mal wird es schwieriger notwendige Lizenzen oder Genehmigungen zu erhalten und die Öffnungszeiten sind jetzt strikter…“

F: „Das gleiche passiert auch in anderen Städten. In Madrid oder Benicàssim geht man sehr streng mit diesem Thema um, nur um ein Beispiel zu nennen.“
A: „Also während des FIB (Festival Internacional de Benicàssim) haben wir davon nichts mitbekommen (lacht) …Doch ehrlich gesagt können wir mit Soulwax und 2 Many Djs sehr zufrieden sein, da wir viel Arbeit haben.“

F: „Ein großer Moment für 2 Many Djs war der geschickte Electronic-Remix eines Nirvana Stückes. Gibt es denn auch 2008 einen Klassiker, der Euer Publikum richtig aufdrehen lässt?“
A: „Das ist eine gute Frage. Eine Antwort darauf zu geben, ist nicht leicht. Vor zwei Nächten haben wir in Newcastle aufgelegt und ich habe „Fire“ von den Pointer Sisters ausprobiert. Es ist schwer von der DJ-Kabine aus genau zu sagen, ob die Leute total auf etwas abfahren, doch ich glaube, dass sie es mochten.“
F: „Stell Dir vor, Ihr müsstet Euch auf einen Musikstil festlegen - bei Live-Auftritten, beim Auflegen und wenn Ihr Euch etwas anhört... Was wäre Eure Wahl?“
A: „Was für eine Frage! Bei Soulwax und 2 Many Djs machen wir doch genau das Gegenteil…“
F: „Ja, genau deswegen die Frage.“
A: „In der Geschichte der Musikstile sind einige die Basis für wieder andere, daher würde ich mich für Pop…Pop-Rock, also etwas, was man eigentlich ‘Porck‘ nennen müsste, entscheiden (lacht).“


F: „Soulwax hat sich zweifellos vom Pop-Rock verabschiedet, um sich fast ausschließlich dem Remix zu widmen…“
A: „Nein! (lacht). Schon gut, bitte stell mir deine Frage…”
F: „Was ich gerne wissen möchte ist, wann Ihr ein Album mit ausschließlich Eigenkompositionen herausbringen werdet?“
A: „Eine weitere gute Frage. In Kürze wird ein neues Album von uns herauskommen, obwohl es ehrlich gesagt eine Mischung aus allem möglichen ist. Wir mögen einfach diese Kombination aus verschiedenen Stilen.“

F: „In Wahlzeiten gibt es immer viele Musiker, die öffentlich einen Politiker unterstützen. Welche Persönlichkeit - ganz gleich welcher Epoche - würden Soulwax/ 2 Many Djs unterstützen?“
A: „Schau Dir bitte mal mein Sweatshirt an, das ich vor kurzem noch an hatte (David holt es vom Sofa und zeigt es uns: ‘Jesse Jackson for President’). Jesse Louis Jackson, Bürgerrechtler und demokratischer Präsidentschaftskandidat in den achtziger Jahren. Das hattest Du gesehen, nicht wahr?“
F: „Nein, das hatte ich nicht gesehen. Noch eine Frage zum Schluss: Madonna, Prince und Michael Jackson…”
A: „Prince.“
F: „Nein, ich wollte doch sagen, dass alle gerade 50 geworden sind. Wo seht Ihr Euch in diesem Alter? Vielleicht wie einer der drei?"
A: „Echt, keine Ahnung. Ich kann mir das jetzt nicht vorstellen und weiß wirklich nicht, was ich z.B. in zwei Jahren machen werde….“

Elena Sanchez      Jürgen Bushe
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