Die auf dem gleichnamigen Platz und nur unweit von der Plaza Mayor gelegene, an die Plaza del Conde de Miranda sowie die Calle Cava de San Miguel de Madrid angrenzende San-Miguel-Markthalle hat sich nach ihrer Sanierung in eine gastronomische Trend-Attraktion der Hauptstadt verwandelt. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie das Ambiente einer alten Markthalle trotz Anpassung an neue Angebote und kulinarische Vorlieben im Rahmen einer Modernisierung erhalten werden kann. Ihr Erfolg überrascht nicht nur die Einwohner Madrids, sondern auch Hunderte spanische und internationale Touristen, die täglich in den Gourmettempel auf der Suche nach einem kulinarischen Kick pilgern.
Der San-Miguel-Markt ist in dem einzigen noch verbliebenen, auf gusseisernen Pfeiler ruhenden Markthallengebäude untergebracht. Ähnliche Hallen, wie z. B. La Cebada oder Los Mostenses, wurden leider abgerissen. Die Stadt erwägt, die Markthalle in den Katalog der „Bienes de Interés Cultural“ (Kulturdenkmäler) aufzunehmen. Ursprünglich handelte es sich um einen unter freiem Himmel stattfindenden Markt. Im Jahre 1835 führte der Architekt Joaquín Henri eine erste Studie zur Überdachung durch, um dem - durch die Markthändler und ihren Ständen verursachtem - Chaos Einhalt zu gebieten. Im Jahr 1911 wurde Alfonso Dubé y Diez mit der endgültigen baulichen Ausführung einer Markthalle mit Rahmenträgern aus Metall und gusseisernen Stützen sowie einem Lagerkeller beauftragt. Der Bau wurde im Jahr 1916 abgeschlossen.
Ein historischer Platz voller literarischer Reminiszenzen
Die Geschichte der Markthalle ist von glanzvollen
Momenten durchzogen. Sie wurde oft in der Literatur
Dank der von der Stadtverwaltung in Auftrag gegebenen Sanierung wurde das Tragwerk bestens erhalten und alle Einrichtungen modernisiert, ohne den ursprünglichen Charakter zu verändern. Nach einem zwei Jahre dauernden Umbau können die Madrilenen dort seit dem Sommer 2009 endlich wieder Ihre typischen Alltagsprodukte, wie z. B. Obst, Gemüse, Brot, Wurst, Wein und Blumen einkaufen. Darüber hinaus werden an 27 Gourmet-Ständen Tapas und Spezialitäten, wie z. B. Eintopf nach Madrider Art, Weinbergschnecken, Kichererbsensuppe, Kroketten, Tortilla-Happen, Wermut, Sherry oder Wein vom Fass, Strudel oder Sachertorte sowie andere Wiener-Backwaren, brasilianischer Kaffee oder Kaviar zum russischen Wodka angeboten.
Die 27 Markt- und Imbiss-Stände bieten Spezialitäten in großer Vielfalt. Zu den originellsten Ständen zählen der „Sushi Market“ oder der Wodka- und Kaviarstand. Im Rahmen des umfangreichen Angebotes fallen Spezial-Stände wie die „Casa de Bacalao“ mit mehr als 15 verschiedenen aus getrocknetem Kabeljau hergestellten „Pinchos“ (Spieße) und Tapas (Mohajanan-Terrine, Kabeljau-Foie, überbackener Kabeljau, Kabeljau-Creme oder Brandade - um nur einige der vielen Köstlichkeiten zu nennen) auf. Der Olivenstand ist ein weiterer Hit des Gourmettempels: Hier werden 40 verschiedene Olivenspezialitäten angeboten, darunter Mischungen mit Meeresfrüchten oder Käse.
Der Gourmet kann auch frischen Fisch zur sofortigen Zubereitung ganz nach Wunsch kaufen oder sich für eine gute Flasche Wein mit frisch vom Stück geschnittenen Schinken entscheiden. Um den gastronomischen „Rundgang” zu beenden, sei der Gourmet-Konditoreistand mit seinem leckeren Kuchenangebot, wie z. B. „Quindi“, Bethlehemküchlein mit portugiesischer Sahne, Torres-Vedrás-Süßspeisen oder Vonzela-Kuchen, erwähnt.
Der begeisterte Manager und kulinarische Direktor des Marktes, Javier Fajardo Gerez, der seinerseits auch noch der Koch von „El Pescado“ ist, verweist in diesem Rahmen gerne auf einige seiner eigenen unwiderstehlichen Kreationen am Fischstand: Tintenfisch mit Pilzen, Krabben-Omeletts, Kichererbsensuppe, Santoña-Anchovis mit Glasbrot oder Ochsenschwanz-Risotto. Ernesto Soriano schneidet an seinem Stand „Más Gourmets“ mit geübter Hand täglich Scheibchen von mehr als 30 verschiedenen Schinkensorten. Dorthin kommen die Besucher auf der Suche nach einem von Hand geschnittenen Top-Schinken für eine Tapa. Ähnlich geschäftig geht es auch am Käsestand und bei anderen Snacks mit einem Glas Wein zu. Für einen guten Tropfen ist immer gesorgt, denn kleine Halbliterflaschen mit Rioja- oder Ribera-del-Duero-Weinen kann der Gast an jedem Stand zur Tapa bestellen.
Die Markthalle ist ein Produkttempel, in dem der Verbraucher zum Chefkoch und zum Meister seines eigenen Menüs wird.
Die Gäste lieben das Konzept mit seinem exklusiven „Touch“. Ihnen wird außergewöhnlich viel Freiheit gelassen, um ihre Fantasie, was gastronomische Genüsse anbelangt, einmal richtig auszuleben und intuitiv alles Mögliche zu probieren bzw. zu kombinieren oder es schon zubereitet an einer Bar zu bestellen. Ein gutes Beispiel für das Qualitätsengagement in dieser traditionsbewussten jedoch gleichzeitig experimentellen Markthalle ist der Stand des renommierten Restaurants „Lhardy“, an dem feinste Tapas zubereitet werden.
Der Markt ist am Montag, Dienstag, Mittwoch und Sonntag von 10.00 bis 24.00 Uhr und am Donnerstag, Freitag und Samstag von 10.00 bis 02.00 Uhr ganzjährig geöffnet. Außerdem werden regelmäßig kulinarische Events veranstaltet..
Dieses sehr erfolgreiche Konzept könnte Vorbild sein für Ibiza's alten Markt und die Peixateria
Das Konzept diese einzigartigen Marktes lässt sich folgendermaßen zusammenfassen:
Die Standbetreiber sind eine Unternehmergemeinschaft, Experten auf ihrem Gebiet und „leben“ für Ihr Produkt.
Der Markt ist ein Tempel mit frischen Produkten, wo nicht der Küchenchef sondern die Ware der Hauptdarsteller ist.
Die Halle soll eine Vorreiterrolle bei der Präsentation des Marktangebotes und der saisonabhängigen Produkte einnehmen.
Der Markt ist ein Lebensmittelgeschäft mit hohem Anspruch, bietet Verköstigungen und lädt zum informellen Speisen ein.
Die langen Öffnungszeiten sind den Bedürfnissen seiner Besucher angepasst. Die Markthalle verfügt über gut ausgebildete Mitarbeiter sowie technisches und industrielles Know-how, um Verköstigungen, Weinproben und gastronomische Studien zur Verbraucherinformation fachgerecht anbieten zu können. Gleichzeitig ist der Markt aber auch ein Spiegelbild der vielfältigen spanischen Gastronomie und Kultur.
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