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Ein Naturschatz im Dornröschenschlaf

14. February 2011 | 10:49

“Vor kurzem habe ich einem Freund eine Aufnahme des Ses Feixes Modells gezeigt und ihm gesagt, ich hätte Ibiza vom Flugzeug aus fotografiert. Er glaubte mir und war ganz begeistert“, sagt Marìa Marí. Nur kurz huscht ein Lächeln über das Gesicht des Sprechers der Umweltschutzorganisation GEN-GOB Eivissa und mit ernster Miene erklärt er, dass es für die Verschandelung des Feuchtgebiets Ses Feixes kein Pardon gibt. Das Modell der wieder hergestellten Feixa ist noch bis zum 9. Juni im Kultursaal der Sparkasse Sa Nostra ausgestellt. Außerdem zeigen hier historische Fotos, wie die Feixes früher aussahen und Schaubilder sowie Grafiken verdeutlichen, wie dieses Gebiet wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt werden könnte.
Während der islamischen Epoche in der Zeit vom 10. bis zum 13. Jahrhundert wurden die Feixes erstmals angelegt. Wie im Süden der iberischen Halbinsel bauten die Araber auch hier ein für damalige Zeiten hoch entwickeltes Bewässerungssystem. Sie erkannten die herausragenden Möglichkeiten der Ebene, die sich zwischen den Bergen von Jesús, Sant Josep und Santa Eulària erstreckt und legten Parzellen an, die von rund eineinhalb Meter breiten und ein Meter tiefen Wassergräben eingerahmt waren. Durch Ausnutzung der Bäche sowie des Grund- und Meerwassers bewässerten sie ihre Felder in idealer Weise. Die rund 30 cm unterirdisch angelegte Kanäle (Fibles) zweigten von den Wassergräben ab und speisten die im Durchschnitt 25 Meter mal 75 Meter breiten Felder nach dem Kapillarprinzip. Mit Hilfe eines Schleusentors wurde der Wasserzulauf kontrolliert. Bei Regen, wenn die Feixa zu überschwemmen drohte, wurde es geöffnet und bei Trockenheit blieb es geschlossen. Bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fungierten die Feixes als Gemüsegärten der Stadt Ibiza. Hier wurden unter anderem Süßkartoffeln, Kartoffeln, Feigen, Kakifrüchte, Quitten, Honig- und Wassermelonen, rote Beete, Blumenkohl und Bohnen angebaut.
Bis Anfang des 19. Jahrhunderts gehörten die Buchten von Talamanca und des heutigen Hafens zusammen. Die Feixes erstreckten sich somit über die gesamte Bucht. Heute gliedern sie sich in die Zonen Prat de Vila, das an Ibiza-Stadt angrenzende Gebiet, Prat de Ses Monges in Talamanca und das Gebiet dazwischen, das sich von der Avenida 8 de Agosto bis zum Meer erstreckt. Um diese Regionen wieder mit Leben zu füllen, schlägt die GEN vor, in Prat de Vila oder in Talamanca ein Informationszentrum zu schaffen. „Wenn wir dieses Gebiet wieder instand setzen möchten, so ist zunächst fundamental, es zu schützen. Dies ist ein sehr heikles Thema, denn bislang wurde el Prat de Vila und Teile von Prat des Ses Monges von der Stadtverwaltung lediglich als landwirtschaftliches Nutzland klassifiziert. Es ist noch in der Schwebe, ob sie zum Kulturgut erklärt werden“, unterstreicht Marìa.In Prat de Vila, wo sich einst 84 Feixes über 306.000 m² erstreckten, wurden vor kurzem die für die Feixes charakteristischen Eingangstore gefunden. Marìa hält es für sinnvoll, diese Tore zu restaurieren. Schließlich befänden sie sich in der Nähe eines historischen Weges, auf dem früher Karren fuhren. Dieser Weg verlief vom Kreisel Juan XXIII. bis zum Club Naútico, wo eine von Ochsen betriebene Mühle stand. Auch die alten Wege Carrer de Murteres und der Carrer de Jesús sowie die übrigen Wege könnten wieder freigelegt werden. Eine weitere positive Begleiterscheinung: Die Überschwemmungsgefahr in der Ebene von Ibiza-Stadt würde eingedämmt werden, indem das Wasser wieder in seine ursprünglichen Becken geleitet, der Zufluss von Süßwasser durch die Bäche ermöglicht und die Mündung der Bäche ins Meer kontrolliert würde. In Prat de Ses Monges sind von den 307.000 m², die in 60 Feixes unterteilt waren, rund 30 Prozent zerstört.
Hier gibt es eine erhaltene Feixa, die noch immer landwirtschaftlich genutzt wird. „Ich denke nicht, dass andere Autonome Regionen ein solch wertvolles Feuchtgebiet mit seiner biologischen Besonderheit und den Möglichkeiten zur landwirtschaftlichen Nutzung in der Art und Weise wie es hier geschieht, verkommen lassen würden“, unterstreicht Marìa. Hazel Morgan, Koordinatorin von Amics de la Terra, meint, dass die Feixes ein besonderes Kulturerbe darstellen. Durch die Nähe zu Afrika bilde Ibiza eine wichtige Station für Zugvögel. Marìa weist darauf hin, auch den ethnologischen Wert des Kulturerbes zu berücksichtigen. Dieser kommt in den Wegen, den Toren sowie dem Bewässerungssystem zum Ausdruck. Würden die Feixes wieder in ihren original Zustand versetzt, so könnten Touristen auf Rundwegen mit Erklärungen über die Geschichte und die besonderen Umweltbedingungen durch die Feixes geführt werden.
Vor allem Personen, die in der Tourismusbranche in Ibiza-Stadt und Talamanca arbeiten, würden sich darüber freuen - davon ist Marìa überzeugt - wenn sie mit den Feixes als kulturelle Attraktion werben könnten. Wenn es vor 1000 Jahren eine Zivilisation mit der damaligen Technologie geschafft hat, die Feixes in dieser Art und Weise zu nutzen, so erscheint es Marìa nur allzu logisch, dass es mit dem aktuellen Wissen möglich ist, diesen Raum wieder mit Leben zu füllen. Vor rund sechzig Jahren war die Biodiversität in den Feixes noch enorm, so dass die Ibizenkos hier sogar jagten und angelten. Dieses Gebiet strotzte nur so vor Leben. Es sei ein Kinderspiel, dieser Zone wieder Leben einzuhauchen. Hierzu genüge es, Wasser einzuleiten und binnen kürzester Zeit würden sich wieder verschiedene Tiere ansiedeln. „Es sind Tiere, die nur darauf warten, in ihr Haus, das sie für einige Zeit verloren haben, wieder einziehen zu können“, sagt Hazel mit einem Hoffnungsschimmer in den Augen.


Informationen:

GEN GOB Eivissa
www.gengob.org

Amics de la Terra Eivissa
www.amics-terra.org

Lena Kuder      Aisme, Jürgen Bushe
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