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ADLIB 2007

21. September 2007 | 11:24
„Bring it back to me“ – die Moloko-Cover-Version der Sängerin Nikol Kollars zum Abschluss der 33. „Adlib Modenschau“ am 19. Oktober in der Diskothek „Pacha“ könnte auch als Appell gedeutet werden, die ursprüngliche Adlib-Gesinnung zurück auf den Laufsteg zu bringen. Und dieser Aufforderung waren tatsächlich einige der 15 vertretenen Designer gefolgt. Verkündeten einige Modeschöpfer das Comeback für die Farbe Weiß, so führten wiederum andere eine Linie vor, die kaum noch Verbindungen mit den ersten, vor über 30 Jahren entstandenen Entwürfen aufwies.
Adlib 2007
Adlib 2007
Die Brasilianerin Kathia Alves, die den Auftakt der Schau bildete, unterzog Adlib einem Wandel und setzte mit Netzen, gehäkelten Blumen-Applikationen und handbemalten Stoffen in Olivgrün, Weiß, Rosé und Malve neue Akzente. Ihre mit Makramee verzierten Kleider mit Schmetterlingsärmeln lieferten den Beweis dafür, dass sie in ihren Entwürfen „Schmuckstücke sieht, die einen ähnlichen Respekt wie ein kostbares Gemälde verdienen.“ Piluca Bayarri unterteilte ihre Kollektion in zwei Phasen: Die erste versetzte den Zuschauer zurück an den Sylter Strand der 40er Jahre. Mit ihrer Spitzenunterwäsche, den knielangen Rüschenhosen, Hemdchen und Häubchen schuf sie eine Atmosphäre, die an Opas Jugendstreiche zwischen Timmendorfer Strandkörben erinnerte. Im zweiten Teil ihrer Show faszinierte sie mit den für sie typischen Trikinis ebenso wie mit einem langen Häkelkleid, unter dem verführerisch ein Bikini durchblitzte.
Adlib 2007
Adlib 2007
Treu im Adlib-Fahrwasser bewegte sich dagegen Francisca Ferrer, deren Kleider treppenartige Volants zierten. Ihre Inspiration fand sie vor allem im Ibiza der 60er Jahre. Ferrer ließ mit ihrer Kollektion die jungen Jahre von Adlib wieder aufleben: Ihre Models trugen Weiß, Baumwolle – und legten ihren Weg über den Laufsteg barfuß zurück. So setzte sie denn auch auf Adlib Vintage mit luftigen Röcken, leichtem Baumwollgaze und verspielten Schmetterlingsärmeln. Einen modernen Kontrast hierzu bildeten ihre mit üppigen Volants verzierten Miniröcke. Melanie Piris zeigte sich zwar inspiriert von der Geburtsstunde Adlibs, mischte aber dem strahlenden Weiß ihres Ponchos und ihrer weitschwingenden Mäntel in moderaten Maßen auch andere Farbtöne bei. Besonders bei ihren handbedruckten Stoffen und einem ausgefallenen Kleid mit Volants vom Kragen bis zum Rocksaum wagte sie das Spiel mit Form und Farbe. Für das Publikum folgte ein Überraschung: Als Kontrast zur lichten mediterranen Atmosphäre steckte „Marmade“ die Models in schwarze Catsuits, die jedoch nur den zurückhaltenden Hintergrund für die eigentlichen Stars der Kollektion bildeten: Die Hauptrolle spielte der durch Meeresschätze inspirierte Schmuck, wie die in Gold und Silber eingefassten Muscheln an Ketten, die ihren Trägerinnen bis zum Nabel reichten.
Adlib 2007
Adlib 2007
Für einen Stoffmix aus Seide, Baumwolle und Lurex entschied sich die deutsche Designerin Beatrice Siegmund („Beatrice San Francisco“). Ihre Gewänder mit Kapuze in Silber und warmen Braun- und Rostrot-Tönen erinnerten an Königstöchter der afrikanischen Savanne. „Tres Ibiza“ erkannte in Adlib nur einen entfernten Verwandten: Fischhaut, Pailletten und metallische Aufdrucke hatten nicht viel gemein mit dem traditionellen Charakter ibizenkischer Mode. Tränen der Verzückung traten einigen Gästen schließlich in die Augen, als sie die jüngsten Models für „Los Angeles“ vorsichtig auf den Laufstieg tapsen sahen. Hand in Hand, mit Elfenflügeln, Blumenkränzen und
Trägerkleidchen mit Patchwork-Mustern und Rüschenborte eroberten sie die Herzen der Zuschauer im Flug. Debütantin Mónica Bonet ließ Adlib nach Japan reisen. Sie überraschte mit einer von japanischen Stoffen und Mustern inspirierten Kollektion, in der sie Kimonos mit japanischen Bildmotiven zu tief ausgeschnittenen Westen oder als Rückenteile von Jacken verarbeitete. Mit einem wallenden Kapuzengewand in Rostrot-Tönen entführte sie den Zuschauer weiter in die marokkanische Wüste. Bei „Ishvara“ dominierten Gürtel, Taschen und Römersandalen aus Schlangenhaut in verschiedenen Farben, teils mit Türkisen verziert. Weder „Hippy Chick“ noch „Neves“ brachten mit ihren Pareos, Minikleidern oder Trägertops in Zebra- oder Leopardenmuster Neues auf den Catwalk. Ihre Kreationen hatten sie nicht eigens für die Modenschau entworfen, sondern sie zeigten jene Modelle, die sie Woche für Woche in „Las Dalias“ anbieten.
Mit ihrem femininen Charme und ihrer Eleganz beeindruckten hingegen die Modelle von Eva Cardona. Ihre netzartigen Kleider mit Corsagen, Paillettenborten und langen Schals ließen Bauchnabel durchschimmern und umschmeichelten die Körper der Modelle. Bei Tony Bonets („Bianca“) Kreationen wäre durchaus eine musikalische Untermalung mit Grunge-Songs à la „Nirvana“ vorstellbar gewesen. Unkonventionell im Neo-Grunge-Look – so ließ Bonet seine schwarze Braut in Reiterhose mit beidseitiger Schleppe und einem Kragen aus schwarzen Tüllrosen defilieren. Sein eng anliegender Hosenanzug mit geschnürtem Korsett im Samurai-Stil hätte ebenso gut in die Garderobe für den nächsten Tarantino-Film gepasst.
Ein weites Kleid ganz im Adlib-Stil mit großzügiger Kapuze führte das Top-Model Elisabetta Gregoriacci vor, die derzeitige Freundin des Renault Formel 1-Chefs Flavio Briatore. Die Schau verfolgte auch die Bürgermeisterin von Ibiza, Lurdes Costa, selbst wie immer modisch gekleidet. Ihre Kollegen vom Consell dagegen hatten statt zur Abendgarderobe zu schlichter Alltagskleidung gegriffen. War es der Versuch, einen eigenen Vintage-Look zu kreieren, die den Präsidenten des „Patronato de Moda“, José Serra, dazu getrieben hatte, zum Defilee in Jeans und Hemd zu erscheinen? Bei der Modenschau in Formentera zwischen Rathaus und Kirche am Tag darauf waren die Zuschauer schließlich nicht nur von der Mode, sondern auch von der Sonne geblendet. Doch schulterfrei mit tiefen Dekolletés und freiem Bauch lässt es sich an einem Abend im Oktober eben nicht unter freiem Himmel defilieren.
Lena Kuder      Jürgen Bushe
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