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Margarita und die Pflanze der Unsterblichkeit

17. June 2008 | 19:29
Auf Madagaskar werden die Kinder nach der Geburt in die riesigen Blätter der Kalanchoe eingewickelt. Man schätzt dort das samtige Gefühl bei ihrer Berührung, das so charakteristisch für die Pflanze ist. Das wissen wir dank der Bemühungen der Forscher und Botaniker, die mehrbändige Enzyklopädien und umfangreiche Handbücher über Pflanzen geschrieben haben. Andere Menschen – wie Maria – erhalten ihr Wissen durch die direkte Erfahrung mit den Lebensformen der Flora, die sie sehr bewundert.
Kalanchoe
Kalanchoe
Es ist der direkte Kontakt mit der Natur, der uns dabei hilft, ihre Zyklen, ihre Gesetze und Bedürfnisse zu verstehen – und sie ihnen entsprechend für uns zu nutzen. Es kann sein, dass Margarita nicht die wissenschaftlichen Namen ihrer Pflanzen kennt, dass sie nicht weiß, welche Substanzen im Einzelnen für welchen Effekt verantwortlich sind. Trotz ihres vermeintlichen Unwissens ist sie jedoch eine Botanik-Expertin und Ingenieurin von Paradiesen. Abgesehen davon, dass sie uns in der Vergangenheit schon gezeigt hat, wie man einen gesunden Garten erhält, eine glückliche Ehe und ein weitgehend konfliktfreies Leben führt, hat unsere Freundin auch ihr ganzes Wissen über die Aloe Vera mit uns geteilt. Von dieser Pflanze kennt man etwa 40 Arten, und ihre heilenden Anwendungen finden sich zahlreich beschrieben.
Margarita
Margarita
Die Aloe Vera – oder Aloe aus Barbados oder Curaçao – wächst schon seit mehr als einem Jahrhundert auf Ibiza, obwohl wir nicht wissen, wie sie hierhin gekommen ist. Wir wissen, dass sie ursprünglich aus den nordöstlichen Küstengebieten des schwarzen Kontinents stammt und dass sie von Portugiesen importiert wurde, wodurch sie nach Mittelamerika kam. Von Beginn ihrer Kommerzialisierung bis in die heutige Zeit verbreiteten sich die pharmazeutischen und kosmetischen Produkte, die aus der Aloe gewonnen werden, auf beachtliche Weise: Die Aloe ist modern. Auf vielen Messen, Märkten und Flohmärkten werden der vielseitigen Pflanze eigene Stände gewidmet.
Ihre Anwendungsgebiete sind in der heutigen Medizin mannigfaltig. Die große Anzahl nützlicher chemischer Komponenten der Aloe verleihen ihr vielerlei Kräfte und Wirkungen: „Aufweichend“ soll sie sein, aber auch „vernarbend“, „gerinnungsfördernd“, „feuchtigkeitsspendend“, „befeuchtend“ und „epithelisierend“. Als „antiallergisch“ und „desinfizierend“ wird sie ebenso beschrieben wie als „entzündungshemmend“, „adstringierend“, „choleretisch“ und „abführend“. Man kann sagen: Sie hemmt den Schmerz und die Entzündung und aktiviert die Fibroblasten, jene Zelltypen, die bei der Heilung von Verletzungen eine wichtige Rolle spielen.
Margarita, unsere persönliche Weise, kennt einige dieser Tricks. Will man die entzündungshemmende Wirkung der Aloe Vera nutzen, darf man die trocknenden Blätter nicht zerpflücken, wie wir es vielleicht tun würden. Maria weiß, dass man sie kochen muss und dass die Flüssigkeit sich bis auf die Hälfte reduzieren muss, damit man eine wirksame Lösung erhält, um Entzündungen abklingen zu lassen. Margarita weiß nicht, dass an dieser Stelle der Schleim in Aktion tritt, der eine chemische Komponente aufweist, die eine aufweichende Eigenschaft hat. Was sie weiß, ist aber, dass die Aloe Vera ihr in Fällen geholfen hat, wo die Schul-Medizin nichts für sie tun konnte. Weitere Beweise und Erklärungen braucht sie nicht.
Sie benutzt die „Suppe“ der Aloe auch, wenn sie Kreislaufprobleme hat. Sie wäscht damit die Beine „immer von unten nach oben“, betont sie. Die Aloe weitet in diesem Fall die Kapillargefäße und vergrößert dadurch den Blutinhalt in dem Bereich, wo sie aufgetragen wird. Margarita ist eine geborene Arbeiterin. Sie ist immer mit ihren Pflanzen und Tieren beschäftigt oder kümmert sich um ihr Haus. Nur der Kreislauf ärgert sie, aber dafür hat sie ja ihre Freundin, die Aloe.
Durch eine Verschreibung ihres Arztes hat sie auch die wundersamen Kräfte dieser Pflanze gegen Geschwüre entdeckt: „Don Mario, der Chirurg, der bei mir den Kaiserschnitt durchführte, empfahl sie mir.“ Für diesen Effekt ist das Aloelin verantwortlich. Es hilft auch bei Sodbrennen. Auch Wunden heilen schnell, dank der entzündungshemmenden Wirkung dieser wunderbaren Pharmakopöe. „Ein zartes Stückchen eines geschälten Blattes auf die Wunde gelegt, und sie heilt sofort.“ Das Emolin, das Emodin und das Barbaloin generieren eine Salicylsäure mit einer schmerzstillenden und fiebersenkenden Wirkung. Das Phosphat hilft bei der Vernarbung der Wunden, da es in einem epithelisierenden Vorgang die Zellerneuerung stimuliert. Das Saponin unterstützt diesen Prozess als Reiniger.
Man sieht: Die Aloe ist ebenso vielseitig wie nützlich. Es gibt eine lange Liste ihrer Eigenschaften und Anwendungen, einschließlich des dekorativen Effektes. Sie besitzt zwölf Klassen von Mineralien und zehn Typen Vitamine. Das wird wohl der Grund sein, warum die alten Ägypter die Aloe Vera als „Pflanze der Unsterblichkeit“ kannten.
Lorena Papì      Jürgen Bushe
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