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Kunst und Leidenschaft

01. September 2008 | 18:38
Die berühmte Tänzerin Marga Molina macht die Kunst der perfekten Bewegung zur fünften Kraft. Sie kann und will nicht stillstehen. Während des Interviews in einer im Herzen Vilas (Ibiza-Stadt) gelegenen Bar zeigt sie sich, wie sie wirklich ist: als dynamische, ruhelose, impulsive Frau, die auf ihr Innerstes hört. Sie trifft den Nerv mit ihrer gestenreichen Sprache, so dass es fast ansteckend ist. Nur mit Mühe unterdrücke ich die Lust, selbst mit dem Absatz aufstampfen zu wollen. Als Gentleman frage ich natürlich auch nicht nach dem Geburtsdatum, doch sie würde sicher weniger Jahre vorgeben, als in ihrem Pass stehen – das ist eben Showbusiness. Es gibt eben immer noch Klasse.
„Wir Künstler sind Bohemien“, bestätigt die gut aussehende, elegante Tänzerin mit Humor. Sie wurde in Madrid geboren, doch in ihren Adern fließt dank ihrer aus Jaén stammenden Mutter andalusisches Blut. Ihr Vater und ihre Großeltern sangen – mehr zum Spaß – im Freundeskreis. „Ich habe schon als Kleinkind mit dem Tanzen begonnen und werde weiter machen, solange es der Körper aushält. Ich werde bestimmt so sterben“, erklärt Marga mit ihrer melodiösen Stimme, während sie mit dem Stuhl kippelt. Schon als junges Mädchen hätte sie beim Staatsballet anfangen können, doch die Familie riet ihr zugunsten eines Studiums davon ab. Sie hörte auf ihre Eltern und schloss ihre Ausbildung ab. Später wurde sie ein führendes Mitglied in den Flamenco-Ensembles der bekannten Künstler Lucía Real, Camborio, María Rosa und Carmela Greco. Daneben trat sie zusammen mit den Flamenco-Stars Antonio Canales und Joaquín Cortés auf. Sie hat den Ruhm gekostet, ohne sich von ihm verderben zu lassen. 1995 zog sie nach Ibiza, um im Centro Internacional de Danza Ilenia Vilar Flamenco zu unterrichten.
„Ich kam der Liebe wegen und bin geblieben. Die Insel gefällt mir sehr. Hier fühle ich mich wirklich wohl. Vielleicht gehe ich eines Tages wieder. Ich weiß es nicht genau und es hängt von vielen Faktoren ab, wie z.B. von meinem Beruf. Doch Großstädte nerven mich etwas, denn ich bevorzuge kleinere Orte“, gibt sie zu. Marga hat seit 1997 ihr eigenes Ensemble. Sie erarbeitet die Choreografie selbst und entwirft zudem die fantastischen Kostüme: „Wie man sich bettet, so liegt man“, sagt sie stolz.
Die hinreißende Frau tritt leider nicht gerade häufig vor Publikum auf. Sie zeigt ihr Talent am liebsten auf privaten Festen und bei öffentlichen, von der Inselverwaltung organisierten kulturellen Ereignissen.
Marga Molina vereint beim Flamenco und anderen klassischen, spanischen Tänzen gekonnt die pure Tradition mit innovativen Elementen. Ihre Arbeit wirkt frisch, spontan und gewagt. Sie träumt davon, einmal in einem Film von Pedro Almodóvar mitwirken zu dürfen und bewundert den „feinen Humor“ des Regisseurs. Daneben ist sie Computerfachfrau und beherrscht die hohe Kunst ein „perfektes“ spanisches Kartoffelomelette zu zaubern. Zwei Fähigkeiten, die es zu erwähnen gilt. Sie ist vom Tanz durch und durch begeistert und der Art, wie diese Kunstform einen Sturzbach der Gefühle provozieren kann. „Der Tanz hat einfach alles: Kunst, Leidenschaft, Freude und Traurigkeit“, betont sie und gibt eine Kostprobe zum Besten.
Xicu Lluy      Javier Plá
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