Quantum Collage – „Lucid Dreaming“ (Ouie/Rough Trade)

Hinter Quantum Collage verbirgt sich Olaf Gutbrod aus dem Süden Deutschlands und der Beginn seiner Leidenschaft für die Musik lässt sich ziemlich genau zurückverfolgen. Mit neun Jahren hält er zum ersten Mal eine Gitarre in Händen, eine Begegnung, die zum Startpunkt für eine lange, musikalische Reise wird. Gutbrod travelt durch Afrika, nach Indien und quer über den südamerikanischen Kontinent. Als Ohm-G zieht es ihn schließlich anno 2002 nach Ibiza, wo er sich sehr schnell einen Namen in der aufkommenden Chill-out-Szene macht, seine Tracks zieren die legendären Compilations „Café del Mar“ und „Hotel Costes“. Er etabliert einen absoluten Trademark-Sound, der ihn unverkennbar macht. Dabei bleibt Gutbrod alias Ohm-G alias Quantum Collage aber auch immer auf der Suche nach neuen Sounds, neuen Inspirationen, neuen Wegen, klassische Sounds mit neuentdeckten Spheres und Melodien zu verbinden. Seine neue E.P. „Lucid Dreaming“ ist dafür das beste Beispiel, ein ganz eigener Kosmos, das Beste aus verschiedenen Welten kombinierend, neuartig und doch irgendwie vertraut, inspirierend und leidenschaftlich. „Inspiring music lovers, dancers and dreamers alike“ – das ist das Mission Statement des Musik-Allrounders und seine neuen Tracks lösen das auf begeisternde Weise ein.

Km5 Ibiza – „Volumen 17“ (Kontor)

Die Zahl im Albumtitel zeigt es an: Seit unglaublichen siebzehn Jahren gibt es die Compilations aus dem Hause Km5. Und auch in diesem Jahr kann der Klassiker ganz locker das gewohnt hohe Niveau halten. Zwei CDs umfasst die Songkollektion, je 12 Tracks auf einem Silberling, ausgewählt und gemixt von Sergi Ribas, Resident DJ seit anderthalb Dekaden, und Josch Genske, seines Zeichens Inhaber und Gründer des Km5. CD 1 besticht mit tollen Vocal Tracks und Remixes von Künstlern wie Eli Escobar oder Yann Gordo, auf CD 2 ziehen Deep-Tech-Tracks wie „Lost in a Moment“ von Samuel Fach den Hörer Richtung Dancefloor. Ribas über die Philosophie der Reihe: „Wir wollen den klassischen Stil des Km5 immer weiter voranzutreiben“ – und das mit klassischen Sounds wie Disco, Funk und Soul. Die Compilation wäre nicht komplett ohne das Artwork von Frann Morán, dessen Blumen und Wesen und optischen Arrangements für den typischen Spirit der Insel, den Himmel, das Meer, die Pflanzenwelt stehen. Das Wichtigste für Sergi Ribas? „Dass die Menschen immer und überall diese wunderbaren Songs genießen können!“

Too Slow To Disco – „Vol. 3“ (How do you are?)

Das ist der Stoff, aus dem Compilation-Klassiker geschneidert werden: In Sachen Stil eine klar umrissene Vision, durchdachtes Serien-Artwork und ein Mastermind, das nicht müde wird, für die Song-Sammlungen in die Tiefen der Archive hinabzusteigen. „Too Slow to Disco“ ist das beste Beispiel dafür und Ibiza Style schreibt es sich ein wenig stolz auf die Fahne, diese Compilation vom ersten Ton an gefeatured zu haben. Nach dem zuletzt die Ladys von „Too Slow to Disco“ im Fokus standen, kommt jetzt der reguläre dritte Teil in Sachen Easy Soul, Yacht Pop und Westcoast Sounds, wiederum zusammengetragen von DJ Supermarkt. Diesmal ist das TSTD-Mastermind auch in Sachen exotischere Styles fündig geworden. Neben Legenden wie Lee Ritenour und Grateful Dead, zählen The Cornelius Bumpus Quartet, die schwedischen Stars`n Bars, die britischen Vapour Trails und Billy Mernit zu den klanglichen Preziosen dieses modernen Meilensteins.

Public Service Broadcasting – „Every Valley“ (Pias/Rough Trade)

Die Londoner Band, namentlich J. Willgoose Esq., Wrigglesworth und J.F. Abraham, ist so etwa die Schlaumeier-WG der modernen Popmusik. Einfach nur gute Songs schreiben reicht dem Trio nicht, als historischen Unterbau für ihre Konzeptalben gibt es immer einen historischen Bezug, der neu vertont. Zuletzt widmeten sich PSB dem „Race for Space“-Wettstreit zwischen Russen und Amerikanern gegen Ende der 60er Jahre. Tracks wie das unglaubliche „Go!“ verdrahteten dabei Original-Dialoge aus dem Nasa-Kontrollraum und der Apollo mit postmodernem SynthPop zwischen Kraftwerk und Stereolab. Auf „Every Valley“ nun geht es etwas bodenständiger zu, Thema ist diesmal der walisische Kohlebergbau, seine alte Historie, seine heutige Bedeutung. Was wie das komplette Gegenteil von Pop klingt, das verwandeln PSB mit ihren magischen Händen in etwas zutiefst Originäres, zu einem Mix aus Bildungsfernsehen und „Top of the Pops“, News Feature und Dancefloor-Filler. Groovy, intelligent, im besten Sinne eigenartig. Auf der Suche nach Superlative landet man gern mal bei der Formulierung von der Band, wie es sie kein zweites Mal gibt. Auf wenige Acts trifft das wohl so sehr zu wie auf Public Service Broadcasting. Pop für wissensdurstige Entdecker.

Benjamin Biolay – „Volver“ (Barclay/Universal)

Diese ganz spezielle Arroganz, wie sie ihre Zigaretten im Mundwinkel dahertragen, den Hut in den Nacken schieben und das Gegenüber fixieren – das macht den Franzosen kaum einer nach. Gainsbourg war so einer, Belmondos Zauber wirkt immer noch und von der neueren Generation hat sich über die Jahre der hochtalentierte Benjamin Biolay in die vordere Reihe der französischen Nationalhelden in Sachen PopArt geschoben. Mit seinem neuesten Album „Volver“ dürfte er diesen Status ebenso lässig wie unabdingbar untermauern, und das nur ein Jahr nach dem Vorgänger „Palermo Hollywood“. Auch auf dem neuen Oeuvre geht der Ex-Schwiegersohn von Catherine Deneuve wieder ebenso eklektizistisch wie selbstbewusst vor. Definiert den Chanson ein weiteres Mal neu, haucht ihm zwischen zwei Lungenzügen neues Leben ein, das Ganze in Form von Duetten mit zumeist weiblichen Counterparts, darunter Ex-Gattin Chiara Mastroianni. Zu den Highlights der Platten zählen Frank Sinatras „It Was a Very Good Year“ und das reggae-grundierte „Pardonnez-Moi“. Zu entschuldigen gibt es dabei ganz sicher nichts, im Gegenteil – hier bleibt einer der französischen Superstars der Moderne ganz selbstbewusst und durchweg hörenswert auf seinem Kurs.

Auf meinem Plattenteller

Ingo Scheel – Ibiza Style Music Editor

N.W.A. – „100 Miles and runnin“

Mein Plattenteller in diesem Monat ist geprägt vom soeben absolvierten Roskilde-Festival und den dort gesehenen Acts. Unter ihnen the one and only Ice Cube, der mich jetzt dazu bringt, mal wieder die Compton-Legenden N.W.A. aus dem Regal zu ziehen.

Kevin Morby – „I Have been to the Mountain“

Ich weiß – der stand genau an dieser Stelle schon einmal. Aber nachdem ich diesen Song nun auch noch in Roskilde beim Soundcheck fast exklusiv für mich gehört habe, stehen die Chancen auf Beiseitelegung denkbar ungünstig. Ein verschütteter Megahit.

Foo Fighters – „Run“

Wie Dave Grohl und seine Bande da so den 90.000-köpfigen Tross vor der Orange Stage in der Hand haben – das macht ihnen so schnell keiner nach. Und die neue Single fügt sich bestens ins Oeuvre.

Idles – „Well Done“

Die erste Band, die ich in diesem Jahr in Roskilde, einem geliebten Ort, an dem ich mich zuvor ganze zwölf Jahre nicht habe blicken lassen, genossen habe. Superber Indierock zwischen The Fall und Sleaford Mods.

The Hellacopters – „Toys & Flavour“

Als Ersatz für Blink 182 aufs Roskilde-Line-Up gerutscht, fürwahr mehr als nur ein Ersatz. Nikke und Co. überzeugten in buchstäblich jedem Takt ihres exquisiten Sets.