Leonard Albert ´Lenny´ Kravitz (New York, 1964), Produzent, Sänger und Komponist, spielt mehrere Instrumente und ist aus der Rockmusik der letzten Jahrzehnte nicht mehr wegzudenken. Er hat vier Grammys gewonnen und ca. 90 Millionen Platten verkauft. Sein einzigartiger Musikstil enthält Elemente aus Soul, Funk, Rock, Reggae und fast allen Stilrichtungen der Retromusik. Damit ist es ihm gelungen, sein persönliches Markenzeichen im Bereich Neo-Psychedelia zu schaffen, das Musiker und Komponisten immer wieder imitieren. Er selbst bewundert Künstler wie Prince, Led Zeppelin, Queen, Jimi Hendrix, Stevie Wonder, Curtis Mayfield.

Verheiratet war er mit Schauspielerin Lisa Bonet, mit der er Tochter Zöe hat. Unter Vertrag bei Virgin Records produzierte er sein erstes Erfolgsalbum: ´Are you gonna go my way´.

Die gespannten Erwartungen an seine Spanientour wurden auf dem 123 Festival bei einer eineinhalbstündigen Show bestätigt, bei der er auch mit DJ Luciano auftrat und sein erstes Werk als Rocktronic-Künstler vorstellte. Wieder einmal bleibt er seiner Vorreiterrolle im Rockgeschehen treu.

Sie sind vorher noch nie auf Ibiza gewesen, haben aber von Pino Sagliocco sicherlich schon viel darüber gehört. Welche Vorstellung haben Sie von dieser Mittelmeerinsel?
Man hat mir erzählt, dass die Insel wundervoll sei und außer kristallklarem Meerwasser eine überwältigende Naturlandschaft habe. Da meine Mutter von den Bahamas stammt, sind das genau die Dinge, die ich liebe.

Wissen Sie, dass auf Ibiza großartige Legenden des Rock, Reggae und Pop entstanden sind und jetzt die elektronische Musik an der Reihe ist?
Natürlich. Ich habe auch legendäre Geschichten über die Musik und die Partys auf der Insel gehört. Ich bin sicher, dass ich diesbezüglich nicht enttäuscht werde. Man muss das alles einmal gesehen haben.

Was halten Sie von der Idee, zwei so verschiedene und sich dennoch ergänzende Welten wie elektronische Musik und Rock miteinander zu verschmelzen?
Ich glaube, es ist eine brillante Idee den Rock´n´Roll mit der elektronischen Musik zu vermischen. Gerade jetzt arbeite ich daran, diese beiden Konzepte zu kombinieren.

Sie pendeln ständig zwischen ihren Wohnorten Paris und den Bahamas hin und her. Wie ist das Umfeld einer kosmopolitischen Metropole mit der Einfachheit eines kleinen Inselortes zu vereinbaren?
Kontraste zu erleben, haben mich in meinem Leben schon immer fasziniert. Ich liebe es, einen Teil des Jahres in einem Wohnwagen an einem verlassenen Strand zu verbringen und draußen im Garten zu essen, und den anderen Teil in Paris in einem schönen Hotel. Auf den Bahamas kann ich zu mir selbst finden und die Natur genießen, in Paris erlebe ich den Reichtum der Stadt. Diese außergewöhnliche Mischung gefällt mir.

Was inspiriert Sie mehr, das quirlige Alltagsleben in einer Großstadt oder der Frieden und die Ruhe auf einer Insel wie Eivissa?
Beides inspiriert mich gleichermaßen.

Ihre Vorbilder im Kindesalter kamen aus der Soulmusik und dem ´R&B´. Diese Einflüsse veranlassten Sie zu komponieren und zu produzieren. Welche Art von Musik inspiriert Sie heute am meisten?
Mich inspiriert eigentlich jede Art von Musik. Man kann immer etwas daraus lernen, auch wenn sie einem nicht gefällt.

´The Diving Bell and the Butterfly´, ´Zoolander´, ´Precious´ (mit Maria Carey), ein Drama von Lee Daniels, das zwei Oskars abräumte und zu guter Letzt der Film ´Die Tribute von Panem´, in dem Sie den bisexuellen Designer Cinna spielen. Wie war Ihre Erfahrung beim Film? —Ich liebe den Film, weil es nicht um mich geht, sondern um eine Figur und die Vision eines Regisseurs. Ich kann dabei komplett aus mir herausgehen und neue Anreize suchen. Außerdem macht es Spaß, mit anderen Schauspielern oder Regisseuren zusammenzuarbeiten.

Überlegen Sie noch mehr Filme zu machen oder waren das nur gewisse Momente?
Ich schließe es nicht aus. Es ist eine Erfahrung, die mir gefallen hat.

Ihre Unterstützung der weltweiten UNICEF-Kampagne für das Kinderrecht auf sauberes Wasser hatte eine große Bedeutung. Welche Rolle spielen Sie dabei?
Jeder Mensch sollte Zugang zu sauberem und gesundem Wasser haben, aber das ist nicht die Frage. UNICEF leistet eine großartige Arbeit, um dieses Recht in die Realität umzusetzen. Ich benutze nur meine Stimme, um zu helfen, dass diese Vorstellung überall auf der Welt verbreitet wird, damit die Menschen Gelegenheit haben, von diesem Thema zu hören und die Sache zu unterstützen.

In ´Black and White´ gehen Sie wieder dem Rassismus, einem aktuellen und heiklen Thema, auf den Grund. Was ist der Unterschied zwischen dieser Platte und Ihren anderen Werken wie ´Mr Cab Driver´, in denen Sie dieses Thema behandelt haben?
Wir haben uns seit damals generell weiterentwickelt, aber der Rassismus ist ein Thema, dem man eine besondere Aufmerksamkeit schenken muss. Es gibt immer noch viele Menschen auf der Welt, die Angst vor jemandem haben, der anders ist als sie.

In Ihrem neusten Album beziehen Sie sich durchgehend auf Gott. Sind Religion und Glaube so wichtig für Sie?
Mein Gottesglaube ist das einzig Wahre, das ich habe.

Was ist das Geheimnis, das Sie aufrecht erhält, inspiriert und in Form hält, trotz des Rummels in Ihrem Leben?
Ich liebe das Leben und es ist mir sehr bewusst, was es mir alles gegeben hat. Deshalb passe ich auf mich auf und genieße die Zeit auf diesem Planeten. Lachen und positives Denken helfen dabei sehr. Das ist ganz natürlich.

Sie blicken bereits auf vier Grammys und 90 Millionen verkaufter Platten zurück. Sie haben den Rat Ihrer Mutter, den Sie Ihnen gegeben hat als Sie klein waren, nicht so richtig beachtet, oder?
Das bezieht sich wohl auf den Rat, den sie mir als Kind immer gegeben hat. Sie sagte: ´Nimm dir nicht noch mehr, wenn du den Mund bereits voll hast´. Dieser Satz kommt in meinem Song ´Always on the run´ vor. Na ja, vermutlich ist mein Mund größer als sie gedacht hat …