Ibiza ist seit jeher ein Rückzugsort für Kreative, Freigeister und Menschen, die anders denken – ein Ort für alle, die dem Lärm und bisweilen auch den Spannungen der Welt entkommen möchten. Umso passender ist es, dass sich am 4. Oktober die zeitgenössische Kunstszene der Insel im Juntos House zu Negotiating Belonging versammelt: einer Charity-Auktion, die Künstler, Sammler, Kulturschaffende und Gäste an einen gemeinsamen Tisch bringt – verbunden durch ein gemeinsames Anliegen.

Veranstaltet wird das Event von Art Initiatives, einer auf Ibiza gegründeten Kulturplattform, die zeitgenössische Kunst, internationalen Dialog und gesellschaftliches Engagement miteinander verbindet. Mit Ausstellungen und Benefizauktionen schafft die Initiative Räume für kulturellen Austausch und unterstützt zugleich Organisationen, die den Zugang zu Bildung und kreativer Entfaltung fördern.

Im Mittelpunkt des Benefiz-Events stehen ein gemeinsames Lunch und eine Auktion mit Werken internationaler zeitgenössischer Künstler. Die Erlöse gehen an zwei sehr unterschiedliche, zugleich aber eng miteinander verbundene Projekte: Anno’s One Fine Day, das Kindern und Jugendlichen in Kibera, Nairobi, kostenlosen Zugang zu kreativer Bildung ermöglicht, sowie die auf Ibiza verwurzelte Initiative Espais de Vida, die lokale Strukturen stärkt und sich dafür einsetzt, dass Land, Wohnraum und kulturelle Orte als gemeinschaftlich zugängliche Ressourcen erhalten bleiben.

Das Thema Negotiating Belonging – das Aushandeln von Zugehörigkeit – könnte für eine Insel wie Ibiza kaum passender sein. Ibiza zieht seit jeher Träumer und Macher an, Menschen, die hierherkommen und sich neu erfinden. Wie lange sie bleiben, steht in den Sternen – oder hängt, glaubt man den Legenden, vom Wohlwollen der Göttin Tanit ab. Auch die lebendige Kunstszene der Insel spiegelt diese ständige Bewegung wider: Künstler, Kuratoren, Sammler und Kreative aus ganz Europa und weit darüber hinaus treffen hier aufeinander und bringen ihre eigenen Geschichten, Kulturen und Ideen in den Dialog mit einer Insel, deren Identität selbst einem permanenten Wandel unterliegt.

Negotiating Belonging versteht Zugehörigkeit dabei nicht als etwas Festgeschriebenes. Die Ausstellung und Auktion untersuchen vielmehr, wie Identität, Ort, Erinnerung, Migration und Gemeinschaft immer wieder neu entstehen und verhandelt werden. Die teilnehmenden Künstler nähern sich diesen Themen aus sehr unterschiedlichen Perspektiven und untersuchen die Verbindungen zwischen persönlicher Geschichte und kollektiver Erfahrung.

Zu ihnen gehört Aline de Laforcade, die auf Ibiza lebt und arbeitet und handgewebte Tapisserien sowie textile Skulpturen schafft, inspiriert von den Landschaften und folkloristischen Texturen der Insel. In ihrer Arbeit wird Textil zu einer Sprache kultureller Erinnerung und räumlichen Denkens.

Der angolanisch-portugiesische Künstler Pedro Pires, der in London lebt, setzt sich in Skulpturen und Installationen mit Identität, Migration und Menschenrechten auseinander. Die brasilianische Künstlerin Rafaela de Ascanio, die in Lissabon lebt und arbeitet, beschäftigt sich in Malerei, Skulptur und Installation mit Vertreibung, Erinnerung und kultureller Hybridität.

Al Varo Tavares D’Guilherme, geboren in Luanda und heute in Berlin ansässig, schafft rohe, textbasierte Gemälde und Mixed-Media-Arbeiten, in denen New Brutalism und Art Brut aufeinandertreffen. Inspiriert vom urbanen Leben in Berlin und Lissabon arbeitet er mit ungewöhnlichen Materialien und poetischen Fragmenten. Seine Werke bewegen sich zwischen Sprache, Architektur und der physischen Textur der Stadt.

Der 2020 verstorbene Burkhard Driest (1939–2020) verband Biografie und Kunst in verzerrten, im Raum schwebenden Figuren. Seine frühen Erfahrungen mit Krieg und Vertreibung prägten ein Werk, das sich immer wieder mit psychischem Druck und existenzieller Spannung auseinandersetzte. Seine Gemälde zeigen Zustände von Verletzlichkeit, Aggression, Intimität und Entfremdung.

Für Conxi Sane werden Malerei und Keramik zu Instrumenten, mit denen sie das Unterbewusstsein erforscht. Die in Málaga geborene Künstlerin greift Einflüsse aus Surrealismus und Kubismus auf, während Architektur und Musik ihren Arbeiten Rhythmus und Struktur verleihen. Ihre abstrakten Werke übersetzen unsichtbare Emotionen in kraftvolle Formen und bewegen sich zwischen zutiefst Persönlichem und universellen Erfahrungen.

Die deutsch-litauische Künstlerin Egle Otto beschäftigt sich in vielschichtigen Gemälden zwischen Abstraktion und Figuration mit Identität, Erinnerung und Transformation. In ihren Heldinnenbildern interpretiert sie mythologische und historische Figuren neu und stellt Fragen nach Selbstbestimmung, Begehren und Wissen.

Der in Berlin lebende Louis Wessendorff schafft vielschichtige Gemälde voller Symbole, Piktogramme und assoziativer Bezüge. Seine Arbeiten funktionieren beinahe wie visuelle Systeme, die entschlüsselt werden wollen. Textähnliche Ebenen und spielerische Ironie verbinden sich zu komplexen Erzählungen zwischen Realität und Wahrnehmung.

Noah Latif Lamp, ein autodidaktischer Künstler aus Amsterdam, der aus einer Künstlerfamilie stammt, nähert sich der Kunst über Handlung, Gestik und Mixed Media. Seine Arbeiten setzen sich mit ungefilterten Realitäten auseinander und hinterfragen gesellschaftliche Strukturen und menschliches Verhalten – teilweise durch kontroverse und bewusst grenzüberschreitende Aktionen. Zwischen Kunstwerk und den gesellschaftlichen Normen, mit denen es konfrontiert wird, entsteht dabei eine bewusst erzeugte Reibung.

Für Noah Becker beginnt Malerei mit Klang. Der in München geborene und heute in Berlin lebende Künstler betrachtet seine Leinwände beinahe als Karten von Gefühlen, Erinnerungen und Musik. Mit Kreide, Sprühfarbe, Acryl, Klebeband und Markern übersetzt er akustische Eindrücke in Farbe und Form. Sein intuitiver Prozess lässt abstrakte wie narrative Möglichkeiten aus dem Zusammenspiel von Malerei und Musik entstehen.

Der nigerianische Künstler Odinakachi Okoroafor, geboren in Enugu, entwickelt konzeptuelle Arbeiten, in denen der Schwarze Körper zum Träger von Erinnerung und Widerstand wird. Mittels Siebdruck, Malerei und Bildtransfer beschäftigt er sich mit Identität, Arbeit und vererbten Traumata und verbindet individuelle Erfahrungen mit größeren historischen Zusammenhängen.

Sarice Brudet, in Deutschland geboren und mit niederländischen, indonesischen und surinamischen Wurzeln, untersucht in abstrakter und semi-realistischer Malerei Balance, Einheit und kulturelle Hybridität. In ihren vielschichtigen Arbeiten nutzt sie Farbe und Struktur, um sich mit Empathie, Verbundenheit und Transformation auseinanderzusetzen. Sie ist außerdem Gründerin und Kuratorin von THE SPACE //, einer Plattform für interdisziplinären Dialog über kulturelle und gesellschaftliche Themen.

So unterschiedlich ihre künstlerischen Positionen auch sind, spiegeln sie etwas wider, das für Ibiza charakteristisch ist: das Aufeinandertreffen verschiedener Welten. Die kulturelle Landschaft der Insel wurde seit jeher von Menschen geprägt, die ihre eigenen Referenzen, Einflüsse und Geschichten mitbrachten – und von den Gesprächen und neuen Perspektiven, die entstehen, wenn diese Geschichten auf einen besonderen Ort treffen.

Auch die Wahl des Juntos House verleiht der Veranstaltung eine weitere Dimension. Das Farm-to-Table-Restaurant befindet sich in einem traditionellen ibizenkischen Haus in Sant Mateu d’Albarca und ist eng mit der umgebenden Landschaft verbunden. Biologisch und saisonal erzeugte Produkte stammen aus den eigenen regenerativ bewirtschafteten Feldern oder von lokalen Partnern. Die Atmosphäre der langen Tafeln – gutes Essen, Teilen und Gespräche ohne Zeitdruck – schafft den idealen Rahmen für ein Event, bei dem Gemeinschaft und Verbindung im Mittelpunkt stehen.

Für Sammler und Kunstliebhaber auf Ibiza bietet die Auktion die Gelegenheit, Werke von Künstlern zu entdecken, deren Themen weit über den Galerieraum hinausreichen. Doch der Reiz der Veranstaltung liegt nicht allein im Erwerb von Kunst. Jeder teilnehmende Künstler trägt zu einer gemeinsamen Initiative bei, die kreative Bildung in Nairobi ebenso unterstützt wie den Schutz gemeinschaftlicher Räume, kultureller Ressourcen und Landschaften auf den Balearen.

Nach Lunch und Auktion zieht das Event am Abend weiter in die Mira Cocktail Lounge in Sant Miquel. Dort spielt die Gründerin und Direktorin von Art Initiatives, Johanna Driest, ein fünfstündiges Vinyl-Set, begleitet von Cocktails von Fernando Leo Navarro und Fusion-inspirierten Bites von Tiago Borges.

Art Initiatives wurde 2024 auf Ibiza gegründet und versteht sich als kulturelle Plattform an der Schnittstelle von zeitgenössischer Kunst, internationalem Dialog und gesellschaftlichem Engagement. Die Ausstellungen und Benefizauktionen der Initiative sind nicht nur als Präsentationen von Kunst gedacht, sondern als Orte für Austausch, Begegnung und Verbindung innerhalb größerer Gemeinschaften.

Die Charity-Auktion und das gemeinsame Lunch von Negotiating Belonging finden am Sonntag, 4. Oktober 2026, im Juntos House auf Ibiza statt. Tickets kosten 168 Euro pro Person.

Den vollständigen Katalog der Kunstwerke gibt es hier.

Reservierungen über www.art-initiatives.com