Ich werde nie vergessen, wie ich mal auf einer kleinen Party in Hamburg auflegte. Ich war sehr jung damals“, erinnert sich der Mann der Stunde, Solomun. „Es tanzten zehn Leute vor mir, als meine Eltern plötzlich auftauchten. Mein Vater lächelte stolz, meine Mutter schüttelte den Kopf: „Sohnemann“, sagte sie, „immer dieses Bum-Bum, aber nie Geld in der Tasche!“

Ende April gab der Diynamic-Labelboss wieder eine seiner legendären Villa Parties, diesmal in einer atemberaubenden Location mit Blick über Las Salinas, direkt nach der inoffiziellen Eröffnung der wöchentlichen „Solomun+1“-Residency im Pacha – mit Sushi und Drinks kostenlos für alle Gäste. Seine Mutter wäre stolz gewesen.

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Die Pressemeldung im Jahr 2013 sorgte für Erstaunen: Der berühmteste Nachtclub der Welt kündigte eine neue Reihe an, bei der ein DJ lediglich einen weiteren pro Woche einlud. Wo war der Rest des Line-ups, fragte man sich. Aber das hier war Solomuns Party und er hielt nie viel von Regeln.

„Natürlich war mir das Risiko bewusst, aber ich habe immer auf meinen Bauch gehört und tendiere eh dazu, allein besser zu agieren. Das war einer der Gründe, warum wir Diynamic gestartet haben: Do it Yourself ist Teil meines Denkens und ich hatte das sichere Gefühl, dass es im Pacha funktioniert“, grinst er.

Und in der Tat – es funktionierte. Das DJ-Pult an der Tanzfläche sorgt für echtes Warehouse-Flair, eine besondere Atmosphäre, in der plötzlich auch VIPs mitmachten – und für die letzten Stunden jeweils back to back mit dem Special Guest der Woche aufgelegt wurde.

In diesem Jahr landet das Pacha einen der größten Coups der letzten Jahre: Der legendäre Coocoon-König Sven Väth kehrt zum ersten Mal nach langer Zeit zurück. War es schwer, ihn zu überzeugen, frage ich Solomun. „Nein, im Gegenteil. Im letzten Jahr hat er mich einige Male am Sonntag besucht. Er hat diese Partys sehr genossen und so einigten wir uns darauf, jeweils auf der Party des anderen zu spielen. Für mich gibt es kein größeres Kompliment, als wenn jemand wie Sven in dem einen Jahr spielt und im nächsten wiederkommt“

Es hätte in Solomuns Leben jedoch auch einiges anders laufen können. Geboren in Bosnien, aufgewachsen in Hamburg, veränderte der Krieg in seiner Heimat alles. „Das war eine schwerwiegende Erfahrung für mich und meine ganze Familie. Als es losging, hatten wir plötzlich alle in unserem Apartment. Frieden ist für mich daher keine Selbstverständlichkeit. Ich kann immer noch nicht verstehen, warum Brüder, Schwestern, Nachbarn plötzlich Feinde wurden. Das macht mich immer noch sehr traurig!“

Als ihm einer seiner Cousins ein Mixtape schickte, darauf “disco music live mixed in a club”, änderte sich alles. „Kurze Zeit später ging ich zu einer Party, wo House und Techno gespielt wurde. Das war das fehlende Puzzleteil in meiner musikalischen Sozialisation. Ich lernte, wie man Platten mixt, kaufte meinen ersten Computer, begann zu produzieren und lebte bald von meinem DJ-Gehalt.

Lange Zeit musste Ibiza jedoch auf Solomun warten. „Die Musik hier war einfach nicht jene, die ich zu der Zeit gefühlt habe. Dann jedoch, vor vier oder fünf Jahren, spürte ich, wie sich der Beat veränderte. Underground-DJs kamen her, mir wurde eine erste Diynamic-Residency angeboten und nachdem ich erstmals echte Quality Time auf der Insel verbrachte, verliebte ich mich in Ibiza. Und diese Liebe wird Jahr für Jahr stärker.

 


 

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Solomun liebt…

Oper: „Ich  habe gerade „La Traviata“ in der New Yorker Met gesehen, sehr berührend und emotional.“

Fleisch: „Ich komme vom Balkan und ich mag Fleisch sehr. Ich bin gern im berühmten Ca’n Pilot in San Raphael, auch wenn es sehr schwer ist, einen Tisch zu bekommen. Deren Fleischgerichte sind etwas ganz Besonderes.“

Kino: „Mein Lieblingsfilm aller Zeiten ist „Die Zeit der Zigeuner“. Wenn man mein Leben verfilmte, sollten mich Sean Penn und Russell Crowe spielen, in einer Person!“

Chillen: „Schlafen, essen, spazieren gehen, Freunde treffen, sich verlieben … mein perfekter Tag fernab der Musik.“

Geht nie auf Tour ohne: „Frische Unterwäsche und mein iPhone-Ladegerät, außerdem ist es wichtig, gut zu riechen. Ich liebe Allure von Chanel.“