Wenn man es nicht besser wüsste, man könnte es kaum glauben. Am Nachmittag soll es für Thomas Anders Richtung Moskau gehen. Die Mission: eine große TV-Show mit über 20 Millionen Zuschauern, dazu ein Konzert mit über 5.000 Zuschauern. Wenige Stunden davor parliert es sich mit dem Sänger, als stünde am Nachmittag lediglich ein kleiner Einkauf und eine Verabredung zum Kaffee mit Freunden auf dem Programm. Vielleicht ist es die Routine, nein, besser die Erfahrung aus einem Dutzend Gastspiele in der russischen Metropole, wo Anders auf der Straße erkannt und um Autogramme und gemeinsame Fotos gebeten wird, die den Sänger so entspannt erscheinen lassen.

IBIZASTYLE_THOMASANDERS-003Und nicht zuletzt die Jahre an der Seite von Dieter Bohlen, als die beiden gemeinsam als Modern Talking deutsche Pop-Geschichte schrieben. Und während die Hits von „You‘re my Heart, You‘re my Soul“ bis „TV Makes the Superstar“ immer noch ganz nah im globalen Gedächtnis sind, haben die einstigen Weggefährten seit einer Dekade längst neue Terrains erobert. Während sich Bohlen als Oberjuror von „Deutschland sucht den Superstar“ im Angesicht schwindender Quoten dem Ende einer Casting-Ära entgegenstemmt, hat Thomas Anders eine veritable Solokarriere auf die Beine gestellt. Konzerte auf der ganzen Welt, Galas, Radioshows, Fan-Days – der Blick auf den Terminkalender würde bei manch einem Schwindelgefühle auslösen. Dem gebürtigen Mörzer nötigt das ein Lächeln ab. Der Mann ist relaxed. Ein Grund dafür sicherlich auch: seine zweite Heimat, die Insel Ibiza. Dabei hat die gemeinsame Geschichte nicht eben harmonisch begonnen.

In einem Sommer, irgendwann tief in den 80er Jahren, war Anders zum ersten Mal auf Ibiza gelandet. „Es regnete. Ich hatte etwas völlig anderes erwartet. Viele ältere Semester unter den Gästen, mit denen mich so gar nichts verband.“ erinnert er sich zurück und stellt den Blickwinkel im selben Atemzug vom Kopf auf die Füße: „Heute sehe ich das natürlich ganz anders. Nicht die anderen waren zu alt, ich war schlichtweg zu jung.“ Als Frühzwanziger im per se ja wunderschönen Hotel Na Xamena – es passte einfach nicht. Damals. Anderthalb Dekaden später, wir schreiben das Jahr 1999, bekommt die Geschichte einen neuen Dreh. Anders und seine Ehefrau sind bei Freunden eingeladen. Und jetzt klickt es in Sachen Ibiza so richtig. Weitere fünf Mal reisen die beiden allein in jenem Jahr auf die Insel. „Wir waren völlig geflasht!“, resümiert der Sänger.

Ein Flash mit Folgen: Vom halben Dutzend Kurztrips bis zur Hauskauf-Idee ist es nicht weit. Der Chill der Insel, das „easy going“ im täglichen Leben – man kennt Leute vor Ort, die einem den Einstieg erleichtern. Das sollte auf ein Fundament mit Zukunft gestellt werden. Die Suche nach dem Hause gestaltet sich jedoch langwierig. „Heute weiß ich natürlich, wie die Dinge hier ihren Gang gehen.“ erzählt Thomas Anders, „damals fühlte ich mich wie in einer Parallelwelt.“ Häuser ohne Strom. Ohne Heizung. Mit defekten Leitungen. Undichte Whirlpools. Auch schön: Wankelmütige Verkäufer. Es sollten noch ganze drei Jahre ins Land gehen, bevor man fündig wurde. Im Jahr 2002 hat sich die Familie vergrößert, ein Sohn gehört jetzt zum Clan. Die Idee vom Haus gerät darüber fast in den Hintergrund, als es plötzlich ganz schnell geht. „Wir saßen am Frühstückstisch, lasen die Zeitung. Da springt uns eine Annonce förmlich an. Französisches Landhaus in Can Rimbau.“ erinnert sich Anders. Dann geht alles ganz schnell.

IBIZASTYLE_THOMASANDERS-002Ansehen, mögen, das Bauchgefühl zwickt genau an der richtigen Stelle. Und es trügt nicht. In diesem Haus wohnen die Anders noch heute. Und immer noch gern. Anfangs verbringen die drei zuweilen bis zu vier Monate im Jahr auf der Insel, heuer sind es immerhin noch sechs Wochen im Schnitt.

Längst hat man sich akklimatisiert. Liebt die schönen Dinge der Insel, toleriert die vielleicht nicht ganz optimalen, oder besser ungewohnten Gepflogenheiten im hiesigen Miteinander. Künstlercliquen oder ähnliches vermisst Thomas Anders dabei überhaupt nicht. In Deutschland hat der Künstler im eher beschaulichen Koblenz seine Homebase. Auch auf Ibiza darf es ruhig zugehen. Kaffeetrinken mit Sangeskollegin Sandra. Ralph Morgenstern sieht man zuweilen, ebenso Gaby Köster. Das ist es dann oft schon. „Ich brauche immer wieder Abstand“, hat Anders einen klaren Blick auf die Dinge. „Ich bin gern autark.“ Sein Credo für den zweiten Wohnsitz unter ibizenkischer Sonne hat sich über zehn Jahre nicht geändert: „Die Insel genießen“. Mission accomplished.

Thomas Anders über seine Lieblingsrestaurants:

Frühstück:

BOX 7 Marina Botafoch
Frühstück zum individuellen Zusammenstellen. Immer frisch, immer lecker.

OCEAN DRIVE Marina Botafoch
Kleines Buffet, aber alles da, was man zum Frühstück braucht.

Mittag:

SA PUNTA Bucht von Talamanca
Kleines gepflegtes Strandlokal unter Pinien.

JIMMY’S Coco Beach/Playa d’en Bossa
Gehört seit Jahren zu den besten Restaurants auf der Insel.
Optimaler Strand für Familien.

Abend:

CASA COLONIAL bei St. Eularia
Asiatisch/französische Küche seit Jahren in gleichbleibender Qualität.
Eine romantische Finca und super Cocktails.

CALMA Marina Ibiza
Hinter dem Club Lio’s, im Hafen und direkt am Wasser.
Spanische Küche, nette Bedienung und ein Traumblick auf die Altstadt

TRE AMICI, MARC’S, ASQUA alle in Jesus (meine Nachbarschaft!)
Tre amici – gute italienische Küche
Marc’s – internationale Küche in chilligem Ambiente
Asqua – Tapas modern interpretiert