Als der Kodak Gründer George Eastman vor über 120 Jahren versprach, „You press the button – we do the rest“, begann die Fotografie für Jedermann zugänglich zu werden. Eine Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf.
Mit der Entwicklung des Smartphones vervollständigte Steve Jobs diese Geschichte: You press the button – there is no rest.
Das Foto als Kommunikationsmittel ist schnell und sogar stärker als Schrift geworden. Seit dem Smartphone leben wir alle mit einer Bilderflut unbeschreiblichen Ausmaßes. Man sagt, die Betrachtungszeit eines Bildes ist kürzer als seine Belichtungszeit.

Der Fotodesigner Norbert Tölle versucht der Beliebigkeit des Digitalfotos zu entkommen.
Er findet es außerhalb des sichtbaren Lichtspektrums. Am unteren Ende unseres Spektrums geht das sichtbare Licht in Wärme über. Das ist der Infrarot-Bereich. Dieses Licht ist für unsere Augen und Handy’s unsichtbar. Aber es gibt Filme, die dafür sensibilisiert sind. Sie wurden u.a. in der militärischen Aufklärung für Luftbilder eingesetzt. Die Beschaffung ist kompliziert, das Material ist Meterware und meist jahrzehntelang überlagert. Es hat oftmals Wärmeschäden, Pilzbefall oder andere Degenerationen. Diese Fehler sind später sichtbar und fließen bewußt ins Bild ein. Die Filmkörnung ist wie das Rauschen und knistern einer Vinylplatte.

Norbert Tölle spult diesen Infrared-Film, 70mm breit, beidseitig perforiert, (das Format ist Kinofans bestens bekannt) in Patronen, die von der Nasa für die Mondlandung entwickelt wurden. Als Kamera kommt daher auch nur der gleiche Typ infrage, der auch vor ca. 50 Jahren die Mondbesuche dokumentiert hat, -„The Queen of Cameras“ -eine Hasselblad 6×6.

Das magische Licht Ibizas ist prädestiniert für diese art Fotografie.
Die einzigartige lichtdurchflutete Landschaft Ibizas wird in der für uns unsichtbaren, aber fühlbaren Wärmestrahlung wiedergegeben. Je mehr Wärme die Objekte emittieren, desto heller erscheinen sie. Lebendes Grün ist hell, totes Grün ist dunkel. Blauer Himmel ist schwarz, Wolken sehr weiß.
Das Kameraobjektiv muss mit einem undurchsichtigen Schwarzfilter (IR-720nm) abgesperrt werden, um das sichtbare Licht auszuschließen. Dadurch entstehen lange Belichtungszeiten und ein Stativ ist sowieso obligatorisch.
Diese Langsamkeit erzwingt eine gründliche gestalterische Auseinandersetzung mit dem Motiv und erlaubt auch nicht beliebig viele Bildvarianten. Der Schuss muss eben sitzen.

Unikate eines langen, entschleunigten Prozesses.
Am Ende des Tages ist noch nichts zu sehen, denn man hat ein Schwarz/Weiss-Negativ, das man noch entwickeln und vergrößern muss. Diese ursprünglich fürs Militär produzierten Filme haben eine extreme Bildschärfe. Sie nutzen das Potential des Objektivs bin an die Grenzen aus. Leider waren früher Filme dieser Qualität im Handel nicht verfügbar. Daher überrascht es, dass in Punkto Detailschärfe diese Fotos es mit modernen Digitaldateien von 50 MP aufnehmen können. Aber auch der spezielle Look des „echten“ Analogfotos ist unvergleichlich.
Im nächsten Schritt werden die echten Bromsilber-Prints nicht in der Maschine verarbeitet, sondern die Entwicklerlösung wird manuell mit einem Schwamm aufs Fotopapier aufgetragen. Daher die charakteristischen Bildkanten. Das Papier schwärzt sich eben nur dort, wo es benetzt wurde. Dann fixieren, wässern, trocknen, eben das übliche Procedere der analogen Fotografie.
Norbert Tölle sieht sich erst am Anfang einer langen Infrarot-Foto-Serie der fotografischen Erkundung dieser schönen Insel.

 

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