Dance Music hat eine Funktion, nämlich Menschen zum Tanzen zu bringen. Wenn wir in die frühen 80er Jahre reisen, werden wir feststellen, dass Dance Music viel mehr erreicht hat. Sie brachte Menschen aller Rassen, Geschlechter und Sexualitäten zusammen. Genau darüber und vieles mehr spreche ich mit Judy Weinstein, der Chefin von Def Mix Production, im Business als „Eve of Dance Music“ geadelt – nur das Feigenblatt fehlt!

Als Judy den Grundstein für ihren legendären Plattenpool mit For The Record in der Mitte der 70er Jahre legte, hätte sie es niemals für möglich gehalten, welche zentrale Rolle sie einmal im Musikgeschäft und vor allem in der Dance Music einnehmen würde. Es sind nun 28 Jahre vergangenen, seit sie gemeinsam mit David Morales die Produktionsfirma Def Mix gründete – und noch immer steht der Spaß an erster Stelle. Woher der kommt, hat sie uns in einem sehr persönlichen Interview verraten.


Wie bist Du auf die Erde gekommen?

Meine spontane Antwort wäre „Raumschiff Enterprice“, aber ich denke, dir ist eine seriöse Antwort lieber. Nun, ich denke, meine Eltern hätten mich gerne als Ehefrau eines Anwaltes und Arztes gesehen, aber diese Träume waren schnell dahin, als ich im frühen Alter in die Szene abtauchte. Ich trieb mich in den Straßen von New York im musikalischen Underground herum, gierig auf neue Impulse und Sounds. Ich für meinen Teil fand meine Mission: als Krankenschwester ausgebrannte DJs wieder aufpäppeln und an die Pults der Clubs zurückbringen.

Motto deines Lebens?

Einfach mein Leben leben und mich daran erfreuen, anderen zum Erfolg verhelfen zu können. Wohl wissend, dass alles was wir hinterlassen, nicht so wichtig ist wie wir denken.

Einen Augenblick im Leben ist alles möglich, alle hören dich, was machst du?

Oh, das wäre ein Moment, in dem ich meine Freunde und Familienmitglieder, die bereits verstorben sind, um mich sammeln würde, und sei es nur für ein paar Sekunden, um ihnen meine Liebe zu zeigen und zu spüren, dass sie stolz auf meinen Lebensweg sind.

Gab es ein Erlebnis in deinem Leben, das alles aus den Angeln hob?

Nicht im eigentlichen Sinne einer religiösen Erfahrung, aber als ich „The Loft“, einen privaten Club von David Mancuso betrat, öffnete sich für mich eine andere Welt. Ich war ein junges jüdisches Mädchen aus Brooklyn, und das war alles komplett neu für mich. Ich war glücklich, durch einen Wohltäter eine Mitgliedschaft zu erhalten, und obwohl ich Musik immer geliebt hatte, erhielt ich nun einen neuen Zugang zu ihr. Ich lernte, ihr von einem anderen Standpunkt aus zu lauschen. Das hat mich nie mehr verlassen.

Welche Musik hörst du an einem freien Tag?

Ob freier Tag oder nicht, da gibt es keinen Unterschied. Ich liebe Musik und höre in alle neuen Formate rein – es ist, als ob man ein neues Gericht ausprobiert. Ich bin immer noch ein großer Fan von Dance Music, so lange sie intelligent gemacht ist und Freude bereitet. Ich verachte langweilige, redundante Songs, die mir vorgeben, was ich zu tun habe: „Beweg dich“ oder „Steh still“. In den letzten 2 Jahren habe ich mich viel mit Country Musik beschäftigt. Ich habe Tim McGraw, Miranda Lambert, Jason Aldean, Blake Shelton, Luke Bryan und Eric Church zu meiner privaten Playlist hinzugefügt, nur um Einige beim Namen zu nennen. Ich bin aber auch verrückt nach dem neuen Album von Snoop Dogg, produziert von Pharrel – eine Reise von den 70ern bis heute. Also, mein freier Tag ist gefüllt mit allem!

Beschreib doch bitte einen perfekten Tag…

Aufwachen, eine große Tasse Kaffee trinken und die Morgennachrichten schauen. Dabei auf den Neubau schauen, den sie direkt mir gegenüber bauen und mir überlegen, wie ich ihn am besten zerstöre. Ins Büro gehen und dort eine Menge Anfragen für meine DJs vorfinden, meine Konten überprüfen und feststellen, dass alle Außenstände bezahlt wurden (ich liebe solche Promotoren!). Viel lachen, abends Freunde treffen und danach daheim Serien gucken, die ich aufgezeichnet habe, zu Bett gehen und hoffen, dass morgen auch wieder alles so wird.

Welches war die beste Party, auf der du jemals warst?

Ich habe The Record Pool 1978 gegründet und wir feierten unseren ersten und zweiten Geburtstag mit Stephanie Mills, Billy Ocean, Gloria Gaynor, Chaka Khan und vielen anderen. Als Gastgeber fungierte Frankie Crocker, ein berühmter Radio DJ, der auch ein guter Freund war. Wir veranstalteten diese Events in Paradise Garage, und als DJ war Larry Levan am Start. Es waren 3.000 Leute in diesen kleinen Raum gepackt. Auch meine Eltern waren da, schließlich doch einsehend, dass ihre Tochter kein Penner ist, sondern eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Ich weiß noch, dass ich weinen musste, als ich in die Menge schaute, ich hatte Menschen glücklich gemacht und das erfüllte mich.

Bestes Reiseziel zum Entspannen?

Ich hatte das große Glück, dass ich mit meinen Jungs David Morales, Frankie Knuckles, Satoshi Tomiie und Hector Romero die ganze Welt bereist habe. Die meisten dieser Touren, inklusive der Clubnächte, waren Arbeitsreisen, wenn auch angenehme. Wenn du selbständig bist und Verantwortung für Mitarbeiter und Klienten trägst, ist es schwer zu entspannen. Aber wenn es eine Traumsequenz in einem „Judy-Film“ gäbe, dann wahrscheinlich Jamaica. Ich habe Freunde, die dort leben, also die besten Reiseführer überhaupt, die mir alles zeigen könnten, was Freude bereitet.

Wenn du zurückblickst, worauf besonders gerne und was bereust du?

Ich fange mit dem Bereuen an, das ist einfacher zu merken. Ich habe die letzten 37 Jahre damit verbracht, mich um andere zu sorgen und habe mich nicht viel um mich gekümmert. Ich versuche, das jetzt zu tun, und hoffe, dass es nicht zu spät ist. Wenn ich zurückreisen könnte, würde ich ein Kind meinem Lebenslauf hinzufügen. Ich kann nun wirklich nicht von Morales warten, dass er mich füttert, wenn ich alt bin. Geschäftlich gesehen hätte ich vielleicht Records Pools offen halten sollen und mehr Vertrauen in die Pooldistribution, wie CDs, Streaming etc. haben sollen. Manchmal ist die Entwicklung nicht vorauszusehen, und auch Plattenfirmen geht das nicht anders. Nun sind wir unserer Vorliebe gefolgt und ein Heim für DJs geworden. Jeden Freitagabend kommen sie wie Kriegsversehrte vorbei, holen sich ihre Aufzeichnungen ab, quatschen über Clubs, vergleichen ihre Ausrüstung… Wie eine stolze Mutter, lausche ich ihnen leise aus dem Nebenbüro und fühle mich so glücklich, dass ich so einen Ort schaffen konnte. Und vor allem ist Def Mix eines für mich: meine Familie. In dem Moment, wo David und ich übernahmen, änderte sich die Art und Weise, wie DJs und Remixer behandelt werden zum Positiven. Def Mix ist mehr als eine Marke, es ist Herz und Seele der Dance Music. Aber die Dinge ändern sich, Frankie ist nicht mehr unter uns, aber sein Geist wird ewig weiterleben.

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