Sommer 1981. Fünf junge Typen streunen mit 10-köpfiger Entourage durch die Straßen von Ibiza. An jedem anderen Ort der Welt wären Autofahrer bei diesem Anblick gegen Laternenpfahle gerast: Ein Rausch aus Farbe und Fashion, die neuesten Zoot Suits von Christos Tolera, riesige Bowie-Tollen, Lidstrich galore, Davy Crocket Jacken vom Kensington Market, John Wayne Halstücher, ein Mönchsornat von Melissa Caplan, Jodhpurs aus Leder und Cowboystiefel – Ibiza dachte, alles gesehen zu haben, aber plötzlich war diese neue Gang in der Stadt. Und sie hatte London im Gepäck.

„Wenn du als 19-jähriger Popstar Ibiza zum ersten Mal entdeckst, dann ist das wie die Perle in einer Auster“, erinnert sich Martin Kemp, als wir uns in der Dalt Villa treffen, um über Spandau Ballets kommenden Auftritt beim „Ibiza Rocks“ im August zu sprechen.

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„In den frühen 80ern ging es nur um den Exzess. Alles wurde größer. Ob Schulterpolster oder Frisuren, die Klamotten, die du anhattest oder wieviel du getrunken und gefeiert hast. Wir hatten schon ein paar verrückte Shows in London und New York gespielt, bevor wir herkamen, aber der erste Trip nach Ibiza hat uns umgehauen. Die Insel war ein Ort, an dem alles möglich war. Und auch alles passierte.“

Zweifellos waren Spandau Ballet eine der Supergroups der 80er Jahre. Die Band verkaufte über 25 Millionen Alben, darunter Welthits wie „Gold“, „Through the Barricades“, „True“ und „Only When You Leave“. Songs, die Kemp und seine Band auch heute noch zu gern spielen. „Diese Songs waren der Soundtrack für besondere Momente im Leben vieler Menschen. Das nimmt kein Ende und es ist großartig, diesen Menschen immer noch Freude zu bereiten.“

Aber es ging nicht nur um Musik, Mode mindestens ebenso wichtig. „Als wir mit Spandau Ballet auf der Bildfläche erschienen, war das, wie so oft, eine Gegenreaktion auf die letzte große Bewegung. In diesem Fall Punkrock, eine Szene, die sich kurz vor dem Weltuntergang wähnte und nur schwarz trug. Wir sagten „Die Zukunft ist leuchtend. Plötzlich wollte jeder ein Held statt eines Antihelden sein –darum ging es den New Romantics.

Mit Blick auf Ibiza Rocks frage ich Martin, wie es sich anfühlt, auf die Insel zurückzukehren, um für ein Publikum zu spielen, das um einiges jünger ist und auf Künstler wie Rudimental, Bastille und Ed Sheeran abfährt. Die Zeit, da man mit Grace Jones Seite an Seite die Coco Loco Bar unsicher machte, Meskalin entdeckte und die Wände hochkletterte, um dem wütenden Bullen des Ladens zu entkommen, sind lange her. Fühlt die Band so etwas wie Anspannung?

„Anspannung gibt es für uns bei keiner Show auf der Welt“, sagt Kemp lächelnd. „Das, was Spandau Ballet am besten können, ist live spielen. Das ist unsere Bestimmung, das war immer unser Traum. Die Band freut sich riesig auf Ibiza Rocks. Die Insel hatte immer einen besonderen Platz in unseren Herzen. Von den Anfangstagen des KU, als wir über dem Swimmingpool spielten, auf einer Bühne mit Freddie Mercury und Montserrat Caballé, im Sommer der Liebe bis hin zu diesen Ferien, da wir von den Bergen aus über die Insel schauen.“

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