Würde heute jemand die Top Business Managerin Elaine Groenestein fragen, ob sie je benachteiligt wurde, weil sie in Mitteleuropa eine Frau, geschweige denn schwarz ist, würde sie die Frage zwar registrieren, aber nonchalant übergehen, um Ihnen die Antwort zu Ihrer nächsten Frage zu geben, wofür Sie sich überschwänglich bedanken und vergessen haben werden, was Sie vorher wissen wollten. Lernen Sie in dieser hoch spannenden Begegnung eine inspirierende Energie kennen, die Ihnen klar machen wird, dass uns viel wichtigere Fragen als Gesellschaft weiter bringen müssen.

Sie sei alt genug, um einen Führerschein machen zu können, sagt Elaine trotzig und laut lachend nach ihrem Alter gefragt. Natürlich ist das plump, aber wenn man sie vor sich sieht, würden Sie sich das auch fragen. Elaine redet einerseits so verspielt wie ein Teenager und, wenn’s um Business geht, wiederum souverän eloquent wie eine internationale Top Managerin. Ausserdem hat sie die Gabe, verschiedenste komplexe Inhalte einfach zu vermitteln – mit ansteckender Begeisterung für ihre Themen.

Um Elaine zu verstehen, muss man auf ihre Familienhistorie zurückblicken. “Meine Mutter wurde auf einer Farm in Tanzania geboren, am Kilimandscharo. Das Klima ist da sehr moderat.” sagt sie spontan, als ich gerade fragen will, ob es da nicht saukalt ist. “Überhaupt nicht. Mama arbeitete für die WHO, als Malariaforscherin. Sie ist Wissenschaftlerin. Aber meine Mama entschied sich, Köchin zu werden – weisst du, so n’ Chef halt. Das macht sie sehr gerne – es erfüllt sie, und dabei ist sie geblieben. Sie baute sehr erfolgreich ihr eigenes Catering Business auf und verkaufte es vor kurzem, als es Zeit war. Um einen neuen Weg zu gehen – sie hat jetzt ein Bistro.”

In Arnhem, wo Elaine als Älteste von fünf Patchwork-Famiien-Kindern zur Welt kam. “Ich glaube, ich war schon unterwegs, als Mama rüberkam.” (beide lachen). “Mein Vater war Software Developer. Eigentlich auch Wissenschaftler, also Ingenieur, wie meine Mutter – aber er hat sich entschieden, Coder zu werden.” Ein Coder? “Ja, genau, Sascha. Sind wir nicht alle Coder?”

Ehrlich gesagt, kann ich nicht mal einen IKEA-Schrank zusammenbauen. Insofern bin ich bestenfalls semi-talentiert, um ein ansatzweise brauchbarer Coder zu sein. Und trotzdem verstehe ich die hypothetische Frage. Wieviel Coder steckt in Elaine?

“Ich sass damals mit Zwölf in meinem Kinderzimmer und wollte einen Fernseher haben. Meine Eltern sagten nein, hier ist ein Computer. Der logischerweise schnell abstürzte, was bedeutete: Repariere ihn. Selber. Also musste ich in’s System rein und erforschen, wie es funktioniert – damit ich diesen verdammten Computer wieder benutzen konnte. Das war’s – und dann hatte ich eine Casting Agency.”

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht direkt mit Zwölf. ”Natürlich nicht, aber lass uns die High School skippen, ich hasste sie!” Wieso, will ich wissen. “Ich hab sie abgebrochen, weil ich die Notwendigkeit und den Nutzen nicht sah, irgendwelchen Ausblidungsregeln zu folgen, die mir nicht die erhofften Resultate brachten. Was sollte ich da meine Zeit verschwenden?”

Gingen ihr die Lehrer auf den Wecker? “Nein, es war das ganze Ding. Ich wollte lernen, und zwar schnell. Von Dingen, die mich interessierten. Aber der Ablauf in der High School bestand darin, an “Mentor Hours” (Vorsprechen bei Schulleitung) zu gehen, Sportarten zu machen, in denen ich keinen Sinn sah. Ich meine, hey, lass mich laufen, und ich laufe – aber Vollgas.”

Elaine war in ihrem Leben alles, und in allem herausragend. Egal, ob als Headhunter, Plattenpresswerk Manager, Musik-Labelchefin, Gastronomin oder Forscherin, Herstellerin und Vertreiberin von nachhaltigen Food- und Kosmetikprodukten, die sie in ihrer Labritja Botanica für B2B-Kunden wie Hotels und Restaurants anbietet.

Die 41-Jährige ist gerade in der Blüte ihres Lebens – und strahlt das auch aus. “Ich bin ein Business Angel, helfe gerne gut organisierten vielversprechenden Start Ups aus der Fem-Tec und Biotec-Branche. Aber was ich aktuell sehr liebe, ist, auf eigene Faust Häuser zu designen – ausschliesslich mit Materialien gebaut, was die Natur in Ibiza hergibt. Weisst du, in unserer Familie sind ja alle Ingenieure, aber ich will Architektin sein – von vielem. Sachen designen, ohne behördliche Vorgaben. Einfach das machen, was mir der Bauch sagt.”

Wenn man jetzt nebenbei erwähnt, dass diese Frau Kuratorin für die permanante Fotoausstellung im Fünfsterne-Etablissement Six Senses Ibiza ist, sagt das nochmals eine Menge mehr über Elaine Groenestein aus. Sie kann einfach vieles – und das verdammt gut.

Bevor wir uns verabschieden, sagt Elaine mit schelmischem Augenzwinkern: “A jack of all trades is a master of none, but often times better than a master of one.”

Und zieht mit Siegerlächeln von dannen, nach Hause. In ihr 650 Jahre altes ibizenkisches Haus – an der ältesten Strasse Ibizas, Richtung Benirras.

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