Das erste mal kam er 1975 auf die Insel. Die Eltern eines Freundes hatten ein Haus auf Ibiza und eins auf Formentera, so lernte er schnell beide Inseln kennen und lieben. Die eigenen Eltern besaßen Häuser an der spanischen Festlandsküste.

Nach Abitur, abgebrochenem BWL-Studium, abgebrochener anschließender Lehre pendelte er in den 80ern zwischen Köln, Amsterdam und Ibiza hin und her. „Irgendwann geht mir die Kohle aus, wenn ich Partys immer nur zu Hause schmeiße“ sagte er sich, „da mache ich doch lieber einen Laden auf und betreibe das businessmäßig.“ Doch so einfach war das nicht. Er kannte die spanischen Gesetze nicht, wurde übers Ohr gehauen von den Vorbesitzern des Etablissements das später zum km5 wurde. Anfangs schadete ihm das Image des ehemaligen Mini-Bordells.

In den Anfangszeiten des km5 legten alle Hand an. Die Möbel wurden selbst zusammengeschustert. Aus auf nicht ganz legalem Wege organisierten großen Kabeltrommeln  der GESA entstanden die Tische für den Außenbereich, die einfach weiß oder schwarz angestrichen wurden. Es begann eine bewegte Zeit mit vielen Aufs und Abs mit wechselnden Teilhabern. Fast hätte er in dieser Periode einmal das km5 verkauft, weil er das jetzige Blue Marlin kaufen wollte.

Seit 1988 lebt er nun fest auf der Insel und hat viele Veränderungen miterlebt. „Es ist zwar alles moderner geworden, aber es ist immer noch schön hier, immer gibt es noch ursprüngliche Flecken und Strände auf der Insel. Allerdings stören mich in letzter Zeit zu viel Luxus und Schickimicki. Du bekommst am Strand schon keine Paella mehr sondern nur noch Foie Gras, Hummer und Kaviar. Aber das sind momentane Entwicklungen, die sich irgendwann wieder von alleine normalisieren“ hofft er. „Es ist wie mit den Mafias hier auf der Insel, die kommen und gehen auch wieder. Das sind alles Wellen. Es ist wie am Strand. Die Wellen spülen alles wieder sauber.“

Einfach ist es nicht auf Ibiza zu überleben meint er. „Du musst Dein Limit kennen und konstant sein.  Letztendlich hat der Tag hier auch nur 24 Stunden, genau wie in London, Paris oder New York. Aber wenn Du hier auf einer Party bist und es geht so richtig ab – dann vergisst Du die Zeit. Plötzlich ist es 6Uhr morgens. Du musst ins Geschäft und die Kinder zur Schule bringen. Das musst Du alles auf die Reihe kriegen. Für viele ist das ganz schwierig. Ich habe schon Leute mit viel Geld – mit sehr viel Geld hier untergehen gesehen…“.

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Früher hatten nur die fünf großen Diskotheken Musik. In allen anderen Etablissements, Bars und kleinen Klubs war das verboten. In denen war nur sogenannte „Ambiente-Musik“ erlaubt. DJs gab es damals nicht.  Partys am Beach, in Villen oder kleinen Clubs wurden sofort von den großen Clubs abgewürgt. Das hat sich sehr geändert, und daran war er nicht ganz unbeteiligt. Zusammen mit anderen hat er lange gekämpft gegen das angeblich gesetzlich verbriefte Monopol der „Salas de Fiestas“, dass auch andere Musikanlagen und DJs haben dürfen. „Die Leute wollen ja auch mal ausgehen und bei guter Musik feiern ohne dazu in eine Diskothek gehen zu müssen.“

Er gibt zu, dass auch das km5 in den letzten Jahren etwas moderner geworden ist. „Aber wir sind immer noch ein Urgestein des ursprünglichen Ibiza!“ Er ist stolz auf seine Mitarbeiter, von denen die meisten schon viele Jahre im km5 arbeiten und sich alle mit dem „Laden“ hundertprozentig identifizieren. Die immer freundlich sind, mit den Gästen auch mal ein Wort wechseln. „Wir sind die kosmopolitischste Location der Welt. Hier treffen sich Menschen aus allen Ländern, aus allen Gesellschaftsschichten.“

Stolz ist er auch auf sein gutes Verhältnis zu den Nachbarn, von denen er noch nie eine Anzeige bekommen hat. Das ist absolut ungewöhnlich, damit kann sich auf Ibiza wohl kaum eine andere Party-Location rühmen.

Dankbar ist er  seinen Mitarbeitern und allen die ihn unterstützen. Dazu zählen vor allem auch Freunde, mit denen er bis heute aus Kindergarten- oder Schulzeiten verbunden ist, die regelmäßig zu den Opening- oder Closing Partys des km5 kommen. Einige von ihnen wurden große Unternehmer in den USA, ein anderer Chirurg, der ihn erst vor kurzem am Meniskus operiert hat. Sie haben ihn immer durch alle Höhen und Tiefen begleitet.

Eines liegt ihm zum Schluss unseres Gesprächs noch besonders am Herzen – ein Gerücht klar zu stellen: „Das km5 ist weder verkauft noch steht es zum Verkauf! Im Gegenteil – wir haben gerade erst wieder viel Geld investiert um es noch schöner zu machen. Und Josch ist hier nach wie vor der Frontmann, sechs Tage die Woche präsent im km5. Diese Gerüchte verbreiten nur Leute, die dem km5 schaden wollen.“ Sagt es und stürzt sich ins Getümmel an der Bar um ein paar Stammgäste herzlich zu begrüßen.

Km5

Carretera de Sant Josep, Km 5,6
07830 Ibiza
+34 971 396 349