J.B: Du hast mehr als 34 Millionen Tonträgern verkauft, warst mehrmals auf Platz eins der Charts und hast mehrere Platin-Alben erhalten. Nun hast Du sogar den World Artist Award gewonnen. Was bedeutet diese Auszeichnung für Dich?

IBIZASTYLE_ANASTACIA-001A: Es war so eine schöne Auszeichnung für mich, mit einem Preis beim Women’s World Awards geehrt zu werden. Und wenn man sich einmal die Liste der Künstlerinnen ansieht, denen dieser Preis vor mir verliehen wurde – wie z. B. Teri Hatcher, Linda Evangelista und Claudia Schiffer – also, hm, hm – dann sehe ich mir ihn an und bin immer noch überrascht. Ich mach das Ganze aber nicht nur dafür. Ich singe, um Menschen glücklich zu machen. Dabei folge ich aber nicht einer bestimmten Formel und entscheide gerne selbst, in welche Richtung meine Karriere geht. Doch manchmal denke ich auch (flüstert): Was macht die Karriere bloß aus mir?? Wenn ich an diese Frauen denke, glaube ich, dass wir Freundinnen sein könnten, aber vielleicht würden wir auch keine Freundinnen werden, da wir alle das gleiche Ziel haben, was die Arbeit betrifft und etwas damit bewegen wollen. Und wir setzen uns zudem für Sachen ein, an die wir glauben. Das ist etwas, was mir immer wichtig war. Und als ich den Preis bekomme habe – wow – das war so cool! Auf den Women’s World Awards mit dabei zu sein, ist nicht mit einer Teilnahme an den MTV Awards zu vergleichen. Es ist ganz anders, es ist auch etwas für die Seele und nicht allein für den Körper.

J.B: Was ist Dein Rat in diesen – sagen wir mal schwierigen Zeiten – an die Leute, die nicht so viel Erfolg haben?

A: Puuuh! Weißt Du, ich denke, dass gerade jetzt erfolgreiche Menschen das gleiche aber auf andere Weise durchmachen, wie die Leute, die niemals so erfolgreich gewesen sind. Ich denke, dass es für Leute, die niemals Erfolg hatten, jetzt sehr viel schwieriger ist, z. B. nächstes Jahr einen Plattenvertrag zu bekommen – vielleicht wird es nicht so einfach sein. Aber Musik wird es immer geben und die Musikindustrie wird schon wieder auf die Beine kommen, da die Rezession nur vorübergehend ist. Vorher habe ich nie auf meine Ausgaben geachtet. Doch jetzt achte ich genau auf meine Ausgaben, um zu sehen, wo ich eventuell Geld sparen kann. Natürlich möchte ich nicht gezwungen werden, auf eine bestimmte Weise leben zu müssen, die nicht der von mir bevorzugten Lebensweise entspricht. Aber anstatt mich darüber zu ärgern – finde ich mich mit der Situation ab und mache, so gut wie es geht, das Beste daraus. Ich organisiere z. B. gerade eine Tournee. Aber ich versuche erst gar nicht, eine Tournee wie vor 4 Jahren auf die Beine zu stellen. Es ist vielmehr eine Tournee mit Auftritten in „vertraulicher“ Runde – wie z. B. eine Tournee, auf die ein neuer Künstler gehen würde. Einige der Veranstaltungsorte sind nur für 3000 Zuschauer geeignet. (Sie schreit auf): Das wird bestimmt suuuper! Oh, jaaaaaa! Meine Fans müssen sich dann erst gar keine Sorgen machen, dass sie Plätze in der ersten Reihe bekommen. Warum? Da es so eine vertraulich kleine Runde werden wird, sodass ich sogar im Mittelgang auf und ab spazieren kann – ich werde mich dann direkt bei ihnen mit den Worten „Vielen Dank fürs Kommen!“ bedanken.

J.B: Du bist sehr schön. Doch vor einigen Jahren hast Du Dein Alter nicht wahrheitsgemäß angegeben. Du hast Dich damals jünger gemacht. Wie wichtig ist es für Dich jung und schön auszusehen?

A: Ich versuche nicht, wie jemand anderes auszusehen. Ich war schon immer sehr zufrieden mit dem, was mich glücklich gemacht hat. Ich mache mich z. B. nicht verrückt mit dem Gedanken, dass ich so eine Nase wie Angelina haben muss oder unbedingt blaue Kontaktlinsen tragen sollte, da meine Augen braun sind – so etwas ist ehedem eine Selbsttäuschung. Was ich aber gerne einmal mache, wenn ich auf der Bühne wie z. B. heute Abend stehe, ist, mein Haar hochzustecken und mehr Glitter aufzulegen. Etwas Illusion ist doch netter, als so aufzutreten wie ich jetzt in T-Shirt und Jeansjacke Dir gegenüber sitze.

J.B: Du schaffst es, mit Morbus Crohn zu leben und hast den Brustkrebs besiegt. Ich nehme an, dass Du Dich aus diesen Gründen für wohltätige Zwecke einsetzt? Du hast auch Deinen eigenen Stiftungsfond ins Leben gerufen?

A: Ich versuche gerade den Stiftungsfond stärker zu unterstützen, da meine nächste Tournee ansteht und das immer eine gute Zeit ist, meine Stiftung bekannter zu machen. Die Stiftung, die meinen Stiftungsfond repräsentiert heißt BCRF (Breast Cancer Research Foundation) und wird von Evelyn Lauder geleitet. Mein Stiftungsfond ist sehr klein. Nur meine Schwester und ich haben ihn ins Leben gerufen und wir können uns glücklich schätzen, dass ihn meine Fans am Leben erhalten. Und jedes Jahr – egal ob am Brustkrebstag oder an meinem Geburtstag – veranstalten sie eine Verlosung und senden mir einen Scheck mit den Einnahmen. Mein Stiftungsfond hat folgende Website: www.bcrfcure.org

J.B: Ist Deine Krebserkrankung der Grund dafür, dass Du keine eigenen Kinder haben möchtest?

A: Die Gründe sind, dass ich neben meiner Krebserkrankung schon etwas zu alt dafür bin und mein Ehemann zwei wundervolle Jungs hat, die fünf und zwölf Jahre alt sind. Mein Mann und ich sind schon in den Vierzigern und wir werden noch ein langes Leben mit ihnen haben, viel Zeit, um zusammenzuwachsen, zu reisen und um Erfahrungen zu sammeln. Ich denke, dass es schwierig wäre, ein neues Kind dort mit rein zu bringen. Ich liebe meinen Mann und er liebt mich und es wäre einfach sehr egoistisch noch ein Kind zusammen haben zu wollen. Wir lieben beide unsere Arbeit und wir wissen, dass wir beide arbeiten müssen, um alles für unsere Jungs bezahlen zu können, weil sie zu unserem Leben gehören.

J.B: Du warst in Deutschland und hast junge Leute für die Fernsehsendung DSDS, die ähnlich wie American Idol ist, trainiert. Hat Dir das Spaß gemacht?

A: Es hat mir super gefallen! Es war eine von diesen Sendungen, die ich mir nicht so vorstellen konnte und dann aber stundenlang da war.

J.B: Wer war Dein Favorit?

A: Du kannst Dir diese armen Kids nicht vorstellen, es waren zudem so viele. Ich erinnere mich noch ein Mädchen, das sehr gut singen konnte – mit einer wirklich super Stimme – und dann waren da außerdem zwei talentierte Jungs. Ich hoffe, dass sie jetzt etwas von dem, was ich ihnen vermitteln wollte, nutzen können.

J.B: Für Deine nächste Tournee hast Du viele Konzerte in europäischen Ländern, wie z. B. Großbritannien, Deutschland, Österreich, Italien und den Niederlanden angekündigt – doch leider kein einziges in Spanien. Kommst Du etwa nicht nach Spanien?

A: Meine Tournee beginnt in diesen Ländern und sie wurden aus dem Grund angekündigt, da dort der Kartenvorverkauf schon begonnen hat. Ich gehe jetzt bald auf Tournee und bin mir nicht sicher, wann sie beendet sein wird, aber natürlich werde ich auch in Spanien auftreten.

J.B: Warst Du schon einmal auf Ibiza?

A: Nein, leider nicht. Mein Mann war schon einmal da und viele Leute, die ich kenne. Es muss eine tolle Insel sein.

J.B: Die ganze Insel ist quasi ein Zentrum für Musik…

A (wehmütig): Ja, ich weiß.

J.B: …und gerade für House Music. Stehst Du auf House?

A (begeistert): Ich liebe House! Jeder Song, den ich habe, ist ein Remix. Komm schon, ich mach jetzt einen Remix (ahmt den Sound nach) … utz utz utz utz – Ja, ich steh‘ drauf!

J.B: Also, wenn Du kommst auf deiner Tournee nach Spanien kommst versprichst Du uns auf Ibiza zu besuchen?

A: Ja, das verspreche ich. Das wird super werden.

Das Gespräch mit Anastacia (A.) führte Jürgen Bushe (J.B.)

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