„Sie sind seit einer Woche der neue Präsident des Inselrates und stehen vor einigen großen Herausforderungen. Können Sie uns eine Übersicht geben über den derzeitigen Stand der unterschiedlichen Abteilungen?“
Wir befinden uns noch in einer Zeit der Konsolidierung. Wir müssen herausfinden, wie der Inselrat und die verschiedenen Abteilungen arbeiten. Wir haben angefangen, die unterschiedlichen Gremien zu besuchen, die Menschen kennenzulernen, die dahinterstehen und eine Bestandsaufnahme zu machen, was jede Abteilung benötigt. Bevor man Entscheidungen trifft, muss man wirklich verstehen, wie etwas funktioniert, und zwar bis ins letzte Glied. Ich glaube aber, dass alle Mitarbeiter gut aufgestellt sind. Ich bin recht optimistisch und denke, dass in den letzten vier Jahren etwas Stillstand eingetreten ist. Nun werden wir dem Ganzen einen neuen Impuls, einen neuen Schwerpunkt geben. Ich bin davon überzeugt, dass hier eine effiziente Institution entsteht, die für alle Bürger zugänglich ist, bürgernah und offen, und in der die Stadtverwaltungen die Politik vorantreiben werden.

„In Ihrer Antrittsrede haben Sie die Bedeutung des Tourismus für Ibiza hervorgehoben. Ibiza verzeichnet einen negativen Saisonstart und auch die Prognosen sehen nicht so gut aus. Was denken Sie, sind die Gründe dafür und welche Gegenmaßnahmen werden Sie ergreifen?“
Die letzten Jahre des Tourismus waren herausragend, auch zum Teil aufgrund der geopolitischen Probleme unserer Hauptkonkurrenten im Mittelmeerraum. Diese Jahre der Fülle haben wir genutzt und nicht nur Reformen aus dem neuen Tourismusgesetz von 2012 umgesetzt, sondern auch Zeit und Geld in die Modernisierung zahlreicher Hotels gesteckt, die überaltert waren. Jetzt präsentiert sich Ibiza besser denn je und das gibt uns Sicherheit für die Zukunft. Wir müssen weiterhin unsere Dienstleistungen verbessern und das große Problem des Wohnungsmangels lösen, denn wenn wir Arbeitnehmer nicht unterbringen können, wird sich das auf die Qualität der Dienstleistungen auswirken. Menschen, die hier hinkommen, um zu arbeiten benötigen eine angemessene Unterkunft. In diesen Bereich ist noch viel zu tun.

„Glauben Sie, dass die hohen Preise auf Ibiza (zusammen mit dem unzureichenden Service) für den Rückgang des Tourismus verantwortlich sind?“
Ibiza ist eine weltweit bekannte Marke und wir müssen die erwartete Qualität zu einem vernünftigen Preis anbieten. Es muss ein gesundes Preis-Leistungs-Verhältnis geben. Das Schlimmste ist, wenn ein Gast enttäuscht ist, deshalb müssen wir den Service weiter ausbauen und dafür brauchen wir Fachkräfte, die diesen hohen Standard gewährleisten können. Doch diese müssen auch anständig leben können. Es ist wichtig, eine Schule für Gastronomie und Catering zu schaffen, ein Projekt, das bereits im alten Inselrat angegangen wurde und dass wir nun in unserer Amtsperiode weiterführen möchten.

„Tatsächlich bemängeln die Hotels und Restaurants in diesem Jahr neben dem Rückgang der Urlauber auch ernsthafte Personalprobleme, die sie auf die hohen Mieten und Unterhaltskosten schieben…“
In Zukunft muss sehr viel getan werden, um sicherzustellen, dass es Wohnungen zu angemessenen Preisen geben wird. Wir müssen hier eng mit dem Betrugsdezernat zusammenarbeiten. Wohnungen dürfen nicht unerlaubt an Touristen vermietet werden. Hier werden wir viel härter agieren und ich denke, das ist der richtige Weg, damit sich der Wohnungsmarkt wieder etwas beruhigt. Die Wohnungseigentümer, die korrekt vermieten, sollen jedwede Unterstützung erhalten, zum Beispiel Steuererleichterungen und auch juristische Unterstützung, damit sie ihre Wohnungen immer in dem akkuraten Zustand zurückerhalten, indem sie sie auch vermietet haben. Alle lokalen Behörden müssen hier Hand in Hand arbeiten. Mittel- und langfristig muss der soziale Wohnungsbau weiter gefördert werden. Wir brauchen Sozialwohnungen, nicht nur Luxusbauten.

„Die Bausituation im Allgemeinen stellt ein immenses Problem dar. Es gibt rund 2000 bereits bezahlte Anträge von Baugenehmigungen, die sich in den Büros unbearbeitet stapeln. Und es gibt zahlreiche fertige Bauten, die immer noch auf den Nachweis der Bewohnbarkeit warten müssen. Was werden Sie gegen diesen Aktenstau unternehmen?“
Offensichtlich ist die Bürokratie ein ernsthaftes Hindernis. Wir können nicht zulassen, dass es Häuser oder Wohnungen gibt, die nicht genutzt werden können, weil die Gemeinden es nicht schaffen, die Bescheinigung über die Bewohnbarkeit zu erstellen. Das alles muss schneller gehen, es kann nicht sein, dass 6 bis 12 Monate vergehen, bis ein fertiges Haus den Nachweis erhält. Eine Möglichkeit wäre, diesen Nachweis komplett abzuschaffen. Wir werden sehen, welche Strategie am besten ist und hoffen dann, dieses Problem in wenigen Monaten zu lösen.

„Manchmal frage ich mich, wovon es mehr gibt auf Ibiza: Büros für Genehmigungen aller Art oder schwerwiegende Probleme, wie mangelndes Frischwasser oder die Abwasserproblematik, Umweltverschmutzungen durch Müll und zu viel Plastik, mangelnde Hygiene und fehlende Verkehrssicherheit (gerade im Bereich Jesús und Cana Negreta). Glauben Sie, dass Sie all diese Herausforderungen meistern werden?“
Ich werde mein Bestes geben, um all das zu erreichen. Sie haben ganz klar die Hauptprobleme der Insel identifiziert und diese müssen, alle nacheinander, gelöst werden. Zum Thema Wasser: Wir müssen an der Bewältigung des gesamten Wasserkreislaufes von Ibiza arbeiten. Dazu gehören Kläranlagen, Entsalzungsanlagen und Verbindungsnetze. Deshalb werden wir die Wasser-Agentur Ibiza schaffen, damit wir diese Basis-Infrastrukturen genau überwachen können. Wir können uns hier auch nicht auf Mallorca verlassen, denn wir brauchen die Lösungen jetzt. Was den ITV (gleichbedeutend TÜV) betrifft, so werden wir hier zwei mobile Inspektionseinheiten schaffen, aber es muss eine weitere Stelle gebaut werden. Alternativ könnten wir das Gesetz so ändern, dass es möglich wäre, eine Art Franchise einzurichten, so dass auch private ITV Stationen entstehen könnten. Dazu kommt die Situation der Straßen auf Ibiza. Viele sind veraltet und in einem schlechten Zustand. Sie müssen neu asphaltiert und mit mehr Sicherheitsmaßnahmen ausgestattet werden. Wir müssen vor allen Dingen die Arbeiten auf der Straße nach Santa Eulalia vorantreiben, diese dauern schon seit einem Jahr an und sind nur zu einem Viertel abgeschlossen. Im Moment ist der Verkehrsfluss chaotisch. Das muss unbedingt bis zur nächsten Saison erledigt werden. Ein vernünftiger öffentlicher Personennahverkehr wäre für die ganze Insel wünschenswert, bessere Busse und schnellere Taktung würden das Ganze wesentlich attraktiver machen. Nur so kann der öffentliche Verkehr entlastet werden. Dazu kommt im Sommer noch die Flut an Mietwagen, die wieder verschwinden, ohne Steuern zu zahlen. Jeder, der hier auf die Insel kommt, um Geschäfte zu machen, muss auch seinen Anteil zur Verbesserung der Infrastruktur beitragen.

„Der Inselrat ist die oberste Institution Ibizas, aber die Entscheidungen werden in den Sitzungen der lokalen Stadträte getroffen. Glauben Sie, dass die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Stadträten so optimiert werden kann, dass größere Ziele gemeinsam erreicht werden können?“.
Das wird in die Legislative der Rathäuser eingehen, wir möchten die kommunale Zusammenarbeit weiter stärken. Es sind die Bürgermeister, die das Ruder in der Hand halten und die den Bürgern am nächsten sind. Der Inselrat muss auf ihrer Seite sein und mit ihnen zusammenarbeiten, um das alltägliche Management nicht zu erschweren. Ich komme aus der Welt der Rathäuser und bin ein Politiker der Basis. Der Inselrat sollte wie ein weiteres Rathaus werden, ähnlich wie auf Formentera.

„Ihre erfolgreiche Arbeit während der 12 Jahre als Bürgermeister von Santa Eulalia ist der beste Beweis dafür, was Sie alles erreichen können. Wir hoffen sehr, dass Sie als Präsident des Inselrates ebenso erfolgreich sein werden und wünschen Ihnen viel Glück mit den großen Herausforderungen, die jetzt auf Sie warten.“
Vielen Dank. Wir werden unser Bestes tun, um Veränderungen in den Arbeitsweisen des Inselrates herbeizuführen. Wenn es uns gelingt, uns auf die Probleme der Insel zu konzentrieren und einige von ihnen zu lösen, haben wir schon viel erreicht. Wir möchten, dass die Menschen auf Ibiza sehen, dass sie einen Inselrat haben, der dazu da ist, ihnen zu helfen und um Probleme zu lösen, nicht sie zu schaffen.

Interviewer: Jürgen Bushe