Wie Jean Claude Ades so in der Morgensonne durch Marina Botafich schlendert, das atmet die Aura eines Superstar DJs. Lederjacke, teure Turnschuhe, bei denen man einen zweiten Blick riskiert, die unverzichtbare Sonnenbrille und das Handy dicht am Ohr, am anderen Ende jemand anderes aus der weiten Welt der Musik. Es scheint ewig her, dass ich diesen charismatischen Deutsch-Franzosen das erste Mal sah. Vor etwa zehn Jahren war das, auf dem Weg nach Hause, k.o. von einer verrückten Party auf Ibiza. „Ich werde diese Nacht nie vergessen“, sagt Jean Claude und verzieht das Gesicht, „Ich war auf einer Villa-Party und kannte niemanden. Um 11 Uhr morgens feierten die Leute immer noch und ich wollte nur ins Bett, ich war fertig. Also ging ich zu Fuß heim und brauchte über drei Stunden. Nie wieder.“

Diesen Sommer ist Jean Claude auf der Insel im Beachhouse und im Blue Marlin an den Decks. Anlass sind seine „Be Crazy“-Nächte im Lio, die plötzlich die absoluten Must-do‘s geworden sind, eine unglaubliche Party, die die Energie des Underground in die großen, kommerziellen Venues transportiert. „Für mich ist das perfekt. Es gibt nicht viele Orte auf der Welt, die so ein grandioses Setting haben wie das Lio. Vielleicht das Cavo Paradiso auf Mykonos, das Blue Marlin Ibiza in Dubai. Hier stimmt einfach alles. Ich wollte mit Be Crazy einen echten Family Vibe schaffen, eine Nacht, in der jeden jeden kennt, die Musik liebt und gern feiert. Klar war es zunächst etwas riskant, meinen Deep Sound an einen Ort zu bringen, den man sonst mit Millionären, Cabaret und feinstem Essen in verbindet. Aber darum geht es im Leben: Herausforderungen annehmen.

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Ein komischer Gedanke, dass dieser junge Mann eigentlich nie vorhatte, DJ zu werden. Seine Leidenschaft galt zunächst der Arbeit im Studio, weniger der Idee, Leute in natura zum Durchdrehen zu bringen. „Ich wollte immer im Hintergrund agieren, aber wenn du einmal ins Scheinwerferlicht getreten bist, dann gibt es kein Zurück. Es macht süchtig.“

Ohne die sanfte Überredungskraft seines Bruder Maurice hätte Jean Claude vielleicht nie einen Fuß auf die weiße Insel gesetzt. Heute lebt er in Sant Jordi.

„Es ist wahr. Er sagte immer, ich solle nach Ibiza kommen, niemand hier würde meinen Namen kennen. Also kam damals ich nach einigem Zögern hierher, spielte auf ein paar Villa Partys, El Ayoun, Amnesia und Blue Marlin, und arbeitete mich langsam nach oben. Und obwohl ich schon seit vielen Jahren tourte und weltweit in ausverkauften Läden spielte, fast ohne Gage.“

Diesen Sommer heißt Be Crazy wieder eine formidable Auswahl handverlesener Gast-DJs willkommen, die Jean Claude an einem seiner Lieblingsorte zur Seite stehen. „Dieser freundschaftliche Vibe ist wichtig für mich. Das zeigt sich eben auch an den DJs, die ich eingeladen habe. Zum Saisonstart von Be Crazy freue ich mich auf Marcus Worgull von Innervisions. Tiefschwarz kenne ich seit vielen Jahren, Betoko hat mich im letzten Jahr mit einem Warm-Up-Set überrascht, das den Club völlig zum Abheben brachte. Ich veröffentliche außerdem einen Track mit John Monkman auf Be Crazy Music im Juni und MANTU, mein Labelmanager, schraubt im Studio an tollen Sachen. In meine Booth im Lio passen locker 30 Leute, sodass wir zuweilen unsere eigene kleine House Party inmitten des Clubs feiern.“

Einer der Gründe, warum Be Crazy derart erfolgreich ist, liegt natürlich in den Partys, die Jean Claude rund um den Globus veranstaltet. Wenn die Leute, die da feiern, dann auf die Insel kommen, gibt es für sie nur ein Ziel. „Wir haben unsere eigene Crowd im Be Crazy – Freaks, Clubber, VIPs und Party People aus Miami, New York, Paris, Cannes, Mailand, Rom, München, Berlin, Dubai und London, die diese Donnerstage so cosmopolitan machen.“ Es ist ein Vibe, den man nur an wenigen Plätzen auf der Insel findet, oder? „Ohne Zweifel. Die Montage auf der Terrasse des DC10 oder die VIP-Section in Marco Carola‘s Music On sind ähnlich. Jedes Mal, wenn dorthin gehe, sehe ich 100 Leute, die ich vom Be Crazy im Lio kenne.“

2015 gibt es Konkurrenz für das Lio in Gestalt des Cirque du Soleil, die Familie Ferran und ihr Restaurant Heart im Ibiza Gran Hotel. Ein Opening, das Jean Claude begrüßt. „Die Leute beschweren sich immer über dieses VIP-Ding auf der Insel. Ich aber finde das großartig. Es bringt neue Leute nach Ibiza. Das hält die Mischung aus Underground und Kommerz im Gleichgewicht.“

Jean Claude Ades und Be Crazy – immer donnerstags im Lio bis zum 1. Oktober

www.jeanclaudeades.com / www.becrazy-ibiza.com


 

Jean Claude ist gern Crazy…

Etwas Verrücktes, das Dir als Teenager Ärger eingebracht hat?

„Als Vierzehnjähriger bin ich mal über den Balkon abgehauen und mit dem Fahrrad zu meiner Freundin gefahren. Zuhause schloss meine Mutter das Fenster ohne zu merken, dass ich weg war. Ich hatte Kopfkissen unter meine Decke gelegt, dass es so aussah, als würde ich schlafen. Als ich zurückkam, musste ich meine Eltern anrufen, damit sie mich wieder reinlassen. Ich hatte eine Woche Hausarrest.“

Der verrückteste DJ?

„Damals war das zweifellos Sven Väth.“

Das letzte Mal, dass du zuhause durchgedreht bist?

„Als mein Hund Lily ins Studio gelangt ist und alles voller Haare von ihr war.“

Das letzte Mal, dass du bei Aufnahmen crazy wurdest?

„Im letzten Winter schloss ich mich allein für sechs Tage im Studio ein, kein Telefon, kein Internet. Ich schlief dort und arbeitete, arbeitete, arbeitete. Fantastisch. Aber crazy.“

Was macht dich in der Welt von heute wahnsinnig?

„Egoistische Leute. Und DJs, die ihre Produzenten im Hintergrund haben, und behaupten, sie hätten ihre Musik selbst kreiert.“