Heutzutage will jeder ein Geschichtenerzähler sein. Doch vielleicht sollten wir bewusster aussuchen, welche Geschichten wir in die Welt tragen – schließlich hört der Planet mit. Mit den Ray of Light Awards (ROLA) ist ein Filmfestival auf Ibiza gelandet, das seinen Weg mit Erzählungen von Sinn, Integrität und Weisheit beleuchtet.
Ein sonniger Maitag in Salinas: Die Erde und das Meer standen am „Gaia Day“ sinnbildlich im Zentrum – als Leitmotiv der ersten, mit Spannung erwarteten Ausgabe der Ray of Light Awards, ausgerichtet an ihrem Ursprungsort, dem legendären Hostal La Curandera de Salinas. Bereits um 11:30 Uhr war die Hitze intensiv, Mutter Natur sandte ihre Strahlen aus wie ein Segen – als stille Ehrerweisung an den Hollywood-Schauspieler Ray Stevenson († 2023), dessen Licht hier spürbar wurde.
Liebe, Vorfreude und ein Hauch Lampenfieber lagen in der Luft – eine einmalige Schwingung, wie sie nur in besonderen Augenblicken fühlbar ist. Das Tafel zur Vorführung stand selbstbewusst vor uns, platziert vor der Yurte, in der Elisabetta Caraccia (Betta) – Rays Ehefrau und Mitgründerin des Hostals – sonst ihre wöchentlichen Frauen-Meditationen abhält. Schon der handgeschriebene Schriftzug mit Kreide weckte Neugier: Was würde sich hier entfalten?
Nach einem Glas frisch gepressten Wassermelonensafts schlich ich mich leise ans hintere Ende der Yurte, um mir die Ausstellung anzuschauen. Vor dem Eintreten hielt ich jedoch inne, gebannt vom Fotoprojekt „Hollywood Meets Ibiza“ der Fotografin Annalisa Flori – mit Porträts von Künstlerinnen wie Angelina Jolie und Penélope Cruz, die ihre Berühmtheit nutzen, um sich für das Wohl der Menschheit einzusetzen. Ganz ähnlich wie Betta – Anthropologin, Umweltaktivistin, Mitglied des Ibiza Preservation Fund: ein Mensch gewordener Engel.
Gegründet wurde ROLA von Betta und Ray Stevenson, bekannt aus Serien wie Rome, Ahsoka – Star Wars, der Thor-Saga und dem Drama 1242 – Gateway to the West. Gemeinsam träumten sie von einem Filmfestival auf Ibiza – doch nicht im Zeichen von Glamour oder Ruhm, sondern von den leisen Geschichten. Der erste Film in diesem Jahr widmete sich afghanischen Flüchtlingen – eine bewegende Erzählung mutiger Frauen, die durch politische Gewalt gezwungen waren, ihre Familien zu verlassen. Die Zuschauer des Films saßen während der Aufführung nicht auf Plastikstühlen, sondern auf Heuballen: gelebte Nachhaltigkeit im Hostal Salinas.
Im Anschluss lief eine Dokumentation über eine indische Region in der Krise: Kinder, teils erst dreizehn, wurden von ihren eigenen Vätern zur Heirat gezwungen. Die Botschaft, übermittelt von den Produzenten Dena Hysell-Cornejo und Gil Marsden, traf mit solcher Wucht, dass der Film später zu Recht den „Gaia Award“ erhielt. Als ich aus dem emotional aufgeladenen Vorführraum trat, fühlte ich mich wie nach einer langen Reise – weg von eigenen Belanglosigkeiten, hin zu einem neuen Bewusstsein. Trauer über das Gesehene, Dankbarkeit für den Frieden und die Freiheit Ibizas – und tiefe Bewunderung für die Furchtlosigkeit der Filmemacher. Kein Medium ist wirkungsvoller, um wichtige Botschaften zu vermitteln, als der Film – das war Ray Stevensons Überzeugung.
Mit eindringlichem Storytelling, seelenvollen Live-Performances und rituellen Zeremonien wurde ein innerer Kreis geschaffen, in dem alle willkommen waren. Ray und Betta wollten kein beliebiges Festival, sondern eines für Schöpfer und Schöpferinnen mit positiver Botschaft an die Menschheit. Am Samstag, den 31. Mai, überreichte Schauspieler Luke Evans in Gedenken an Ray den „Ray of Light Award“.
Ein kraftvolles Panel inspirierte mit Vorträgen und Gesängen, moderiert vom charismatischen Zeremonienmeister Jurgis Didziulis, dessen poetische Beiträge stets tief berühren. Die Gespräche reichten von der Kraft des Weiblichen bis zu den Herausforderungen von Musikern und Musikerinnen in Streaming-Zeiten – denn selbst eine Million Streams bei Spotify führen kaum zu Einnahmen.
Das Catering übernahm „The Foreign Embassy“ – gegründet von Lorenzo, einem engen Freund von Betta aus Italien, gemeinsam mit seinem britischen Geschäftspartner. Unter den Gästen: Vertreter aus den bedrohten Amazonasgebieten, aber auch Bekannte aus Kent, jener idyllischen Ecke Englands, in der ich aufwuchs, bevor ich vor sieben Jahren nach Ibiza zog. Die liebevoll angerichteten Speisen, mit Produkten der biodynamischen Juntos Farm, weckten Heimatgefühle. Die Landwirtschaft selbst erhielt den „Ibiza Award“ für ihr Engagement für Umwelt und Gemeinschaft. Das Essen wurde mit einem berührenden Gebet gesegnet – gesprochen von einem Mitglied des indigenen Huni-Kuin-Stammes, der tief im brasilianischen Amazonas lebt und heilt.
Später schlenderten die Gäste durch den Garten, vorbei an Ständen und Menschen mit Herzensprojekten – nicht nur Träumer, sondern Schöpfer und Schöpferinnen, die ihre Vision leben. Was sie verbindet? Echte Fürsorge – für Mensch und Planet. Ein Leuchtturm für unsere Zukunft. Die malerischen Anlagen des Safragell Hotel & Spa in San Lorenzo bildeten am Abschlusstag die perfekte Kulisse für Lunch und Begegnung, für ein dreitägiges Festival, das kaum sinnstiftender hätte sein können. Neben den Hauptkategorien wurde auch der „Youth & Next Generation Award“ für junge Filmschaffende unter 25 vergeben.
Den festlichen Abschluss bildete die „Grand Finale“-Gala am Samstagabend im historischen Teatro Pereyra in Ibiza, moderiert von Nicole Jones, Zahra Harkat und Stargast Samantha Vallejo-Nágera – bekannt als Jurorin von MasterChef España. Ein wilder Auftakt: Die chilenische Band Beset Collective brachte bereits im Foyer die Gesellschaft in Bewegung – vibrierend, voller Energie, mitreißend.
Die Jury bestand aus renommierten Persönlichkeiten aus Film, Entertainment und Bewusstseinsforschung: Rosario Dawson, Ammar Kandil, Anne Thomopoulos, Uri Fruchtmann, Diego Torán, Rodolfo Lamboglia, Bruce Parry, Isabella Kleut, María Valdivia, Tom Silverman, Serene Sass und Daniel Levy.
Als Schauspieler Luke Evans schließlich die Bühne betrat, war es ein Moment, der in Erinnerung bleiben wird. Seine Worte über seinen „großen Bruder“ Ray waren so bewegend, dass wohl kaum ein Auge trocken blieb.
Die Gewinner und Gewinnerinnen der Ray of Light Awards (ROLA) 2025:
Ray of Light Award (2 Gewinner):
„The Heart Revolution“ (Benedikt SP Just) & „The Twelve“ (La Ciel Foundation)
Gaia Award:
„Unmuted: Child Brides“ (Dena Hysell-Cornejo, Gil Marsden)
Youth Award:
„Entropy“ (Bamdad Aghajani, Arian Navabi)
New Generation Award:
„Parallel“ (Majid Farzolahi)
Legacy Award:
„Kogi Tribe“ (Sierra Nevada, Kolumbien) und „Huni Kuin Tribe“ (Amazonas, Brasilien), stellvertretend für alle indigenen Nationen dieser Erde – für ihr uraltes Wissen und ihr harmonisches Leben im Einklang mit dem Planeten.
Ibiza Award (2 Gewinner):
Christian Jochnick, CEO der Juntos Farm (für seinen Einsatz zur Förderung regenerativer Landwirtschaft)
Silverio Marín, besser Bekannt als Guisante vom Jugendzentrum Xerinola in San Josep (für jahrzehntelanges Engagement in Kunst, Umwelt, Zero Waste und Upcycling)