„Ich war schon immer besessen vom Zeichnen“, lacht Rory. „Ich dachte, dass alle Erwachsenen gut zeichnen können, ich kannte es nicht anders. Von klein auf bat ich meinen Vater, etwas für mich zu zeichnen, z. B. ein Pferd, und er zeichnete und es sah genau wie ein Pferd aus. Aber dann bat ich meine Mutter zu zeichnen und ich habe sie nie wieder gefragt, denn bei ihr sah es eher wie eine Schildkröte aus.“

Rory, der sowohl in London als auch auf Ibiza wohnt, findet, dass seine „Besessenheit“ ziemlich extrem war und während seiner gesamten Kindheit anhielt. „Das hat mich oft in Schwierigkeiten gebracht. Einmal habe ich das gesamte Faxpapier meines Vaters verbraucht, also die Blätter mit den vielen Löchern. Es erinnerte ihn an einen Andrex-Welpen (Werbefigur) am Ende einer Klopapierrolle, ich hatte einfach das ganze Papier vollgekritzelt. Schließlich baute er mir eine Tafel, damit ich Fehler ausradieren konnte, anstatt sein ganzes Papier zu benutzen. Einmal habe ich die Tapete meiner Mutter bemalt, sie hatte winzige Tupfen und ich dachte, wow, wenn ich alle Tupfen zusammenfüge, kann ich einen riesigen Bären erschaffen. Ich ging zu ihr und sagte: ‚Hey, schau mal, ich habe deine Tapete verschönert…‘ Dann bekam ich Hausarrest!“

Aber das war nicht das letzte Mal: „Mein Vater zeigte mir einmal eine Henry-Moore-Skulptur, und ich fand es toll, dass dort sein Name darauf stand. Als ich klein war, hatten wir einen VW-Käfer und der sah für mich wie eine Henry-Moore-Skulptur aus, also beschloss ich, ihn zu signieren, holte einen Schraubenzieher und ritzte Rory in das Metall. Er wurde viel wütender als meine Mutter.“

Nach seinem Studium an der Central St Martin’s School of Art and Design in London wurde er von vielen beeindruckenden Namen wie Liberty London, Fortnum and Mason, Agent Provocateur, Christian Dior und vielen anderen, darunter Pikes hier auf Ibiza, beauftragt.

Seine Vorbilder sind Rodin und Michelangelo – Künstler, die Werke von gigantischem Ausmaß schufen – aber auch Hieronymus Bosch.

Die Bilder in den Büchern seiner Kindheit, Winnie Puuh und Alice im Wunderland, haben seine Illustrationen stark beeinflusst. „Es war die Einfachheit und Mühelosigkeit – es sind nur ein paar schwarze Linien, aber man kann begreifen, dass es sich um einen wilden Teil des Waldes in England handelt und man kann die Atmosphäre und das Summen der Bienen spüren. Man muss nicht die ganze Szene ausmalen, um diese Informationen zu erhalten.“

Das berühmte Londoner Kaufhaus Liberty war das erste, das seine Werke führte, und seine Popularität verbreitete sich bald in Geschäften auf der ganzen Welt, darunter in Japan, New York und Paris. Das ehrwürdige Londoner Kaufhaus Fortnum and Mason wandte sich an ihn, um ein Teeservice mit der Fassade des Geschäfts zu entwerfen. Den Besitzern gefiel das Motiv so gut, dass sie es auf ein großes Plakat drucken ließen, das während der Renovierungsarbeiten an der Fassade des Geschäfts aufgehängt wurde. Von da an folgten zahlreiche Entwürfe für Haushaltswaren, darunter eine Kollektion für das Platinjubiläum der Queen.

Rory kam zuerst mit Freunden aus Manchester nach Ibiza, die später die Architekten von Manumission wurden – Dawn Hindle und Andy McKay. Dies hat dazu geführt, dass er viele der berühmten Wandillustrationen im Pikes Hotel am Stadtrand von San Antonio geschaffen hat. Die Monocle Cat und Smokey Fish sind nur zwei seiner legendäre Entwürfe.

„Ideen werden oft aus Tagträumen geboren. Ich sah immer wieder diesen Mann vor einem Bürohaus, der zu jeder Tageszeit rauchte. Es sah so aus, als würde er den ganzen Tag dort verbringen. Ich dachte mir, dass er unglaublich gelangweilt sein muss, sein Leben ist wie das eines Goldfisches, der immer nur das Gleiche tut. Also zeichnete ich es auf die Rückseite einer Landkarte, oder was auch immer ich zu der Zeit zur Hand hatte. Dann habe ich über die Raucherzonen nachgedacht und darüber, dass die oft als rebellisch angesehen werden. Also dachte ich mir, dass mein Fisch rauchen darf und zwar in der ultimative Nichtraucherzone – unter Wasser. Er ist so Rock’n’Roll, dass er unter Wasser rauchen kann.“

Einige Motive aus James Bond beeinflussten ein weiteres legendäres Bild von Rory. Er erklärt: „Es hatte monatelang in Strömen geregnet, und ich hatte viele Bond-Filme gesehen. Die Katze ist eine Mischung aus einigen der Bösewichte.“

Blofelds berühmte Katze spielt hier die Hauptrolle, aber mit Oddjobs stahlumrandeter Melone und dem Monokel von Dr. No. „Ich dachte einfach, er ist keine böse Katze, er hat nur einen bösen Besitzer, aber stell dir vor, er muss all diese bösen Pläne mitbekommen. Er sieht hier so aus, als ob er gerade diesen bösesten aller bösen Pläne gehört hat und denkt: ‚Oooh, das ist ein guter Plan!'“

„Es war fantastisch, mit Tony (Pike) zu sprechen, der mir all die Geschichten von den Leuten erzählte, die im Pikes übernachtet haben, all die tollen Partys und die verrückten Dinge, die dort passiert sind.“ Rory fing an, charaktervolle Nummern auf die Türen der Hotelzimmer zu malen, aber man hatte auch nichts dagegen, als er vorschlug, die Wände zu bemalen. „Wir blieben so lange dort, wie ich malte – es ging vom Frühling bis zum Sommer, und meine Kinder hingen mit all diesen Rockstars und Musikern herum. Tony war wirklich begeistert – er fand die Zeichnungen großartig, denn sie hauchten dem Ort neues Leben ein.“

Rory hat ein Buch mit dem Titel ‚The Ink House‘ (Tintenhaus) geschrieben – er besitzt eine umgebaute Finca im Norden Ibizas, die den gleichen Namen trägt und als Inspiration für das Buch diente: „Da ich die Türen zu meinem Haus auf Ibiza immer offen lasse, stelle ich immer wieder fest, dass Geckos und Katzen hineinwandern. Also habe ich mir vorgestellt, wenn ich das Haus jahrelang mit offenen Türen stehen lassen würde, was die Tiere alles anstellen würden. Die Vögel würden oben auf den Schränken nisten und so weiter. Je länger sie im Haus blieben, desto menschlicher würden sie. Sie würden Kleider tragen, Bücher lesen und Klavier spielen.“

Rory konzentriert sich gerade auf seine „Alice im Wunderland“-Kollektion.

www.rorydobner.com

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