Im Film, der keine Dokumentation sondern ein Spielfilm ist, tritt Daniel Brühl als Niki Lauda gegen Chris Hemsworth als James Hunt an. Bei der Verleihung der Golden Globe Awards präsentierte Niki Lauda zusammen mit Chris Hemsworth das unter der Regie von Ron Howard produzierte und von Oscar-Preisträger Peter Morgan geschriebene Rennfahrer-Epos, das in zwei Kategorien für einen Award nominiert war. Obwohl sich „Rush“ bei der Golden Globe-Verleihung der übermächtigen Konkurrenz gegenüber geschlagen geben musste, darf man die zwei Globe-Nominierungen dennoch durchaus als großen Erfolg werten.Kurz vor dem Abflug nach Hollywood zu den Golden Globe Awards nahm sich Niki Lauda Zeit für ein Gespräch mit IBIZA STYLE Herausgeber Jürgen Bushe.

Als Du zum ersten mal von dem Film-Projekt gehört hast, hattest Du da zunächst Zweifel, was dabei herauskommen würde?

Nein, nein, der Peter Morgan ist Oscar Gewinner, der weiß was er tut und deswegen habe ich da gar keine Sorge gehabt. Obwohl er mir immer wieder gesagt hat – was ja logisch ist – das ist ein Film den er schreibt und dass ich keinen Einfluss darauf habe was dabei herauskommt. Das war mir von vornherein klar. Dann kam noch als Regisseur Ron Howard hinzu, der ja Weltklasse ist sowie der Daniel Brühl, den ich vor Drehbeginn kennengelernt habe. Also – ich konnte mich nicht beklagen.

Das Ergebnis hat Dich also begeistert.

IBIZASTYLE_RUSH-004Ich kann ja nur beurteilen, was die Leute dazu sagen und wie die Reaktion auf den Film ist – und die ist äußerst positiv.

Aber Du hast ja damals 1976 die Realität erlebt und die ist doch teilweise sicherlich etwas anders gewesen als jetzt im Film.

Ja natürlich, aber es grundsätzlich alles richtig, was da an Handlung ist und deswegen kann ich auch mit dem Inhalt sehr gut leben. Die Reaktion ist unglaublich. Es gibt keine negative Kritik. Jeden fasziniert der Film emotionell, der Aufbau der Geschichte zwischen Hunt und mir, der Kampf bis zum Ende – also richtig gut gemacht.

Ihr wart ja zwei grundverschieden Typen, Hunt  mehr der Playboy und Du mehr der knallharte, straighte Kämpfer…

Richtig

…der nur das eine Ziel hatte: zu siegen. Hunt wollte zwar auch siegen, aber dabei auch in vollen Zügen genießen. So wird es zumindest im Film gezeigt. War das tatsächlich so?

Nein. Um es kurz auf den Punkt zu bringen: es war nicht ganz so, zum Beispiel, dass ich so ein Priester war wie ich im Film dargestellt werde. Im großen und ganzen habe ich mich eben mehr auf die Technik der Autos fokussiert um sie schneller zu machen. Der Hunt hat halt nur ein Super Talent gehabt. Das Problem war einfach wer am Ende die Nase vorne hatte.

Ihr seid ja damals – besonders im Vergleich zu heute – mit großem Risiko gefahren. Das hast Du fast mit dem Leben bezahlt. 

Richtig

In der filmischen Nachstellung hast du praktisch zum ersten Mal gesehen was nach dem Unfall passierte und wie Du und die Ärzte um Dein Leben gekämpft haben. Trotzdem hast Du nur zwei Rennen ausfallen lassen und Dir – noch mit Kopfverband und unter großen Schmerzen – den Helm wieder übergestülpt. Das muss ja sehr hart gewesen sein, auch für Deine Frau Marlene, dass Du so kurz nach dem Unfall wieder Rennen gefahren bist.

Stimmt alles, so war das. Mir war immer klar, dass der Rennsport gefährlich war. Da habe ich ihr auch keine Illusionen gemacht. Ich habe gesagt: wenn ich wieder fahren kann, dann fahre ich wieder. Und da war halt wichtig für mich, je kürzer die Pause ist desto besser ist es, das ganze zu überwinden.

Psychologisch wichtig damit kein Angsttrauma entsteht?

Genau, je länger man wartet desto mehr baut sich was Negatives auf. Und deswegen bin ich 42 Tage später wieder gefahren.

Ein ähnlicher Typ wie Du von der Einstellung her ist heutzutage Sebastian Vettel. Der hat auch nur eins im Sinn: siegen um jeden Preis.

Ein Vollprofi, der weiß worum es geht und alles richtig macht.

Ist das noch der gleiche Sport wie damals bei Euch oder ist heute alles ganz anders?

IBIZASTYLE_RUSH-003Das ist jetzt ganz anders wie damals weil ich das Gefahrenmoment hatte. Wenn du um 2 Zentimeter zu weit gefahren bist warst du tot. So etwas passiert heute alles nicht mehr. Aber das fahren am Limit ist die gleiche Herausforderung heute wie damals, obwohl sie heute mehr Unterstützung haben vom Computer, der Schaltung usw. Aber das Fahren am Limit ist das gleiche. Wir mussten uns mit dem Risiko früh zu sterben auseinandersetzen, das braucht man heutzutage Gott sei Dank nicht. Aber die Leistung vom Vettel möchte ich in keinster Weise schmälern – im Gegenteil. Der weiß was er tut, der fahrt schneller wie alle anderen und deswegen ist er viermal hintereinander Weltmeister geworden.

Du wurdest ja zum Vorsitzenden des Aufsichtsratsgremiums des Mercedes-Teams berufen. Ihr holt Euch Spitzenleute von anderen Teams (Mark Ellis und Giles Wood kommen vom Konkurrenten Red Bull).

Das ist ja normal in der Formel1, dass Ingenieure herumwandern. Aber das wichtigste ist heuer der neue Motor, der Turbolader. Ganz neue Gefährte, die seit drei Jahren entwickelt werden. Nicht nur das Auto – das ganze Reglement wurde geändert. Also, die Herausforderungen heuer sind ganz neu und deswegen hoffe ich mit der Mercedes Motorenqualität und dem Auto, dass wir da ganz vorne mitfahren KÖNNTEN. Das alle wieder von Null beginnen müssen ist immer mal gut.

Viele Teams haben über diese Änderungen geflucht, vor allem dass sie für die kleineren Teams unzumutbar seien. Begrüßt Du im Endeffekt diese Änderungen?

Grausam und zu teuer aber grundsätzlich richtig, denn die Entscheidung wurde bereits vor fünf Jahren getroffen.

Also kann sich eigentlich niemand beschweren. Sie wussten es ja lange genug?

Sie wussten es lange genug, sie haben es alle gemeinsam beschlossen – ich war damals noch nicht dabei – und das ist nun mal halt so. Und damit muss jetzt die Formel1 die nächsten 18 Jahre leben.

Bis Ende der Saison 2012 war Michael Schumacher Fahrer des Mercedes Teams. Er ist obendrein ein guter Freund von Dir. Was sagst Du zu seinem tragischen Unfall?

Ich kann mir das logischerweise nicht erklären, dass der jetzt einfach so ein Pech hat. Ist es Schicksal? Eine Erklärung finde ich nicht. Ich hoffe, dass er da gut wieder raus kommt, was bisher leider nicht so ausschaut –  das sag’ ich jetzt mal so als persönliche Meinung. Dies ist alles sehr schwierig und ein tragisches Schicksal, denn unter normalen Voraussetzungen hätte er hundert andere Möglichkeiten gehabt, sich zu verletzen aber sicherlich nicht diese.

Rückblickend auf die Entwicklung der Formel1 von Deiner aktiven Zeit über die von Michael Schumacher bis zu Sebastian Vettel, zu welcher Zeit war die Herausforderung für die Fahrer am größten?

Sicherlich für uns, weil die Gefahr viel größer war. Bei uns ist jedes Jahr einer tödlich verunglückt und mit all diesen Dingen mussten wir uns auseinander setzen. Wir waren wesentlich mehr belastet. Dadurch waren wir ganz andere Typen, ganz andere Charaktere. Wir wussten, es kann immer aus sein. Die Belastung war, je weiter Du zurückblickst, immer größer weil die Sicherheit immer weniger war.

Die Belastung war aber sicherlich nicht nur für Euch größer sondern auch für Eure Frauen. Wie war das mit Deiner Frau, Marlene. Sie hat doch sicherlich mitgezittert und war oft bei den Rennen dabei?

Nein, die war wenig dabei. Nach dem Nürburgring Unfall – ich hatte sie ja erst kurz zuvor geheiratet – hat sie gesagt, dass sie mit diesem Wahnsinn nichts mehr zu tun haben will. Sie stand aber voll hinter mir und konnte mir eh nie vorschreiben, ob ich nicht fahren soll oder darf. Das hat sie nie getan. Sie hat sich komplett abgewendet und wollte eigentlich mit der Formel 1 nichts mehr zu tun haben. Was eigentlich auch sehr vernünftig war.

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