Drei Freizeichen und schon meldet sich eine junge Frau am anderen Ende – „Nein, gar kein Problem, um 17 Uhr…“ – und verabschiedet sich mit einem sympathischen Lachen. Keine Spur eines verruchten Untertons in der Stimme, kein laszives Zischeln. Dabei hätte die Frau ja auch ein denkwürdiges: „Ok Baby bis später!“ in den Hörer hauchen können. Dies wäre auch nicht weiter verwunderlich gewesen, denn schließlich kann beim Lesen der beiden Geschichten „Lieblingsblau I“ und „Lieblingsblau II“, die am Strand von Las Salinas angesiedelt sind und in denen sich die Protagonistin bei einem Bad in den Wellen „nur noch auf ihre Empfindungen zwischen (ihren) Schenkeln konzentriert, weil da bei jeder Bewegung eine nasse, sanfte Zunge durch die verborgenen Fältchen (ihrer) Muschel zu lecken schien“ schnell der Eindruck entstehen, daß hinter den Zeilen eine mit allen Wassern gewaschene femme fatale steckt, die nun im seidenen Negligé mit Zigarettenspitze und tiefem Dekoltee wartet. Beim Einbiegen in den Weg zu ihr… (nein zu keiner sündhaft teuren Luxusvilla, sondern zu einem stilvollen Bauernhaus), ist der Interviewerin leicht mulmig zumute; schließlich nennt man nicht jeden Tag zum 5 Uhr Tee die Dinge beim Namen.

Ob es ihre Freunde denn stört, daß sie die geheimen Ecken der Insel als Plätze lobt, die sich in idealer Weise zum „Poppen“ eignen und empfinden sie es nicht als negativ, daß Ibiza mit Sex in Verbindung gebracht wird?
„Nein, die meisten finden das eher gut“, sagt sie entschlossen, „mir ist aufgefallen, daß einige beim Lesen der Geschichten große Augen machen und sich dann fragen: `Warum bin ich eigentlich noch nie darauf gekommen?´ oder es gibt andere, die erst einmal entdecken, daß auch sie Spaß an Sex haben können. Außerdem darf man nicht vergessen, dass es in meinen Büchern natürlich in erster Linie um Sex geht.

Statt eines hochgestochenen habe sie bewußt einen lebensnahen Stil gewählt, denn schließlich habe sie die Geschichten nicht geschrieben, um sich selbst zu verwirklichen, sondern um ihren Lesern zu vermitteln: „Hey Leute, Sex zu haben ist das Normalste der Welt … und dabei wunderschön!“


